ESA-Kleinsatellit CHEOPS soll ab 2017 Exoplaneten erforschen

19. Februar 2014, 18:19
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Startschuss für ESA-Mission zur Untersuchung und Charakterisierung von Exoplaneten in der näheren Erdumgebung

Paris/Graz - Ab 2017 soll ein neuer ESA-Satellit namens CHEOPS (CHaracterizing ExOPlanet Satellite) Exoplaneten in der näheren Umgebung der Erde charakterisieren und untersuchen. Der Bau erfolgt unter Schweizer Federführung und mit österreichischer Beteiligung, wie das Grazer Institut für Weltraumforschung (IWF) der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) am Mittwoch mitteilte.

Hauptziel: Charakterisierung bekannter Exoplaneten

Seit Mitte der 1990er-Jahre die ersten Exoplaneten - also Planeten, die außerhalb des Sonnensystems existieren und einen anderen Stern umkreisen - entdeckt wurden, ist die Zahl der bekannten Exoplaten mittlerweile auf 1075 in 817 Systemen gestiegen. Ziel der Mission CHEOPS sei es aber nicht, weitere Exoplaneten zu entdecken, sondern die bereits bekannten weitaus präziser zu charakterisieren als bisher, erklärt Manfred Steller, zuständiger IWF-Gruppenleiter des internationalen Konsortiums.

Die Mission soll sich in erster Linie auf kleinere Planeten mit einem bis sechs Erdradien konzentrieren und versuchen, die Bestandteile ihrer Atmosphären zu bestimmen. "Hinter allem steht natürlich die Frage, ob es auf einem der Exoplaneten Leben geben kann. Daher interessieren uns nicht so sehr die großen gasförmigen als vielmehr die deutlich kleineren festen Planeten", so Steller.

Indirekte Messmethoden

Die Sonde soll dabei wie ihre Vorgänger - Corot (ESA, 2006) und Kepler (NASA, 2009) - indirekte Messmethoden nutzen. Bei der sogenannten Transitmethode sollen etwa Detektoren des Satelliten-Teleskops die Helligkeit von Sternen auf geringfügige Abdunkelungen exakt überwachen: So sollen die Passagen von Exoplaneten vor deren Zentralstern aufgespürt werden und daraus deren Größe, Masse und mögliche Atmosphären bestimmt werden.

Mithilfe der Radialgeschwindigkeitsmethode soll wiederum die Masse von Planeten bestimmt werden, berichter Steller. Sind Durchmesser und Masse bekannt, kann auf die Dichte und somit auch auf die primäre Zusammensetzung des Planeten - etwa aus Eis, Gas oder Gestein - geschlossen werden.

Erste S-Klasse Mission

Die CHEOPS-Mission ist die erste einer möglichen Reihe sogenannter Small-class-Missionen der europäischen Weltraumorganisation ESA. Das internationale Konsortium steht unter der Leitung des Astrophysikers Willy Benz vom Center for Space and Habitability der Universität Bern. Der geplante Kleinsatellit CHEOPS soll ein Gewicht von 200 kg haben, über ein Teleskop von 30 Zentimetern Öffnung und 1,2 Metern Länge verfügen und in einen 800 km hohen sonnensynchronen Orbit (SSO) gebracht werden. Dort soll er über einen Zeitraum von dreieinhalb Jahren etwa 500 Sterne beobachten und ihre Planeten charakterisieren.

"Nach einer eingehenden Studienphase von rund eineinhalb Jahren wurde nun die Machbarkeit des Exoplaneten-Teleskops bestätigt", sagt Wolfgang Baumjohann, Direktor des Grazer Instituts für Weltraumforschung (IWF). Die Wissenschafter am IWF werden einen der beiden Bordcomputer beisteuern. Er soll den gesamten Datenverkehr für das Satelliten-Teleskop abwickeln und zusätzlich die thermische Kontrolle des Bildsensors übernehmen. Für die Stromversorgung der Instrumentenelektronik ist der österreichische Ableger des Schweizer Technologiekonzerns RUAG Space verantwortlich. (APA/red, derStandard.at, 19.2.2014)

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