"Wir können etwas Außergewöhnliches schaffen"

Gespräch19. Februar 2014, 17:18
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Red Bull Salzburg kickt am Donnerstag in Amsterdam gegen Ajax. Für Regisseur Kevin Kampl ist es mehr als der erste Teil einer europäischen Reifeprüfung

Wien/Amsterdam - Kevin Kampl freut sich "wahnsinnig". Auf die "Topmannschaft Ajax", auf das ausverkaufte Stadion in Amsterdam. "Ich habe noch nie vor 53.000 Zuschauern gespielt. Ein Highlight." Ganz nebenbei findet er es "wunderbar", vom Standard nicht nach den Gründen für seine wechselnden, niemals uninteressanten Frisuren gefragt zu werden. Die legendäre Frage "Welchen Beruf übt ihr Friseur aus?" kennt er, manchmal lacht er darüber. Jetzt ist aber, ganz im Ernst, Ajax. Kampl spricht von einem doppelten Vergnügen, da kann kein Haarschneider mithalten. "Die beiden Partien sind die Reifeprüfung für Red Bull Salzburg. Danach wissen wir, wo wir wirklich stehen. Ajax, Juventus und Tottenham sind die stärksten Klubs in der Europa League."

Der 23-jährige Kampl ist gespannt. "Gespannt, wie Ajax auf unsere Spielweise reagiert. Sie werden sich Matches von uns angeguckt haben. Trotzdem glaube ich, dass wir sie überraschen können. Wir werden auf sie losgehen. Es ist nicht so einfach, auf unsere Art des Fußballs zu antworten." Kampl hat sich mit dem Gegner intensiv befasst. Er kennt die ruhmreiche Geschichte, weiß, wer Johan Cruyff ist. "Die Legenden sind mir ein Begriff. Ajax hat eine der besten Jugendarbeiten in Europa."

Der in Deutschland geborene und aufgewachsene Slowene fühlt sich in der österreichischen Liga nicht unterfordert. "Auch wenn es nach außen hin manchmal so wirkt, es ist kein Selbstläufer. Da steckt harte Arbeit dahinter, wir ernten nun die Früchte. Es gibt in Österreich gute Fußballer, man soll die Liga nicht immer herabstufen. Manchmal ist im Alltag die Motivation zwar nicht einfach, aber wir kriegen das wunderbar hin." Kampl weist darauf hin, "dass auch ausländische Mannschaften mit uns Probleme haben". Die Gruppenphase wurde mit dem Maximum von 18 Zählern erledigt, zweimal wurde Standard Lüttich besiegt. "Der belgische Meister kann nicht schlecht sein."

Red Bull Salzburg hat gelernt. Vielleicht sei die an die Austria verlorene Meisterschaft im Nachhinein ein kleiner Segen gewesen. "Weil wir die richtigen Lehren daraus gezogen haben. Wir gingen den Weg unbeirrt weiter."

Die Leistungsträger (Alan, Soriano, Mane) haben sich langfristig gebunden. Kampls Vertrag gilt bis 2018. Mitentscheidend für den kollektiven Verbleib sei auch das Bekenntnis des Vereins zu Trainer Roger Schmidt gewesen. "Wie er Fußball sieht und denkt, ist einzigartig. Er kann jeden Einzelnen perfekt motivieren." Das 3:0 im Test gegen Bayern München habe für einen zusätzlichen Schub gesorgt. "Schlägst du völlig verdient die beste Mannschaft der Welt, wächst das Selbstvertrauen weiter. Die Bayern waren überrascht, was da auf sie zugekommen ist."

Sinn des Lebens

Natürlich hat Kevin Kampl Träume. Sinn eines erfüllten Fußballerlebens kann nicht sein, eine Karriere lang von Wiener Neustadt über Grödig nach Ried und Wolfsberg zu tingeln. "Irgendwann will ich in einer der besten Ligen landen. Aber ich bin jung, habe nahe Ziele und Träume. Die betreffen ausschließlich Salzburg. Ich will Titel. Ich habe noch nie Pokale oder Schalen in den Händen gehabt, weiß nicht, wie sich das anfühlt. Ich will mit dieser geilen Truppe alles abräumen." Der österreichische Meisterteller wird Kampl nicht entkommen. "Er soll sich gut anfühlen." Und was wäre mit dem Pokal, den der Sieger der Europa League erhält? "Weit weg. Aber wir können etwas Außergewöhnliches schaffen."

Ajax-Coach Frank de Boer ist die Stärke Salzburgs nicht entgangen, im Sky-Interview sagte er: "Alles, was sie angreifen, wird momentan zu Gold. Aber es liegt an uns, genau das zu verhindern." Kampl geht davon aus, "dass es auch an uns liegt. Wir müssen in Amsterdam eine Topleistung abrufen. Dass wir daheim jeden schlagen können, ist ohnedies klar." Wann er das nächste Mal zum Friseur geht, weiß Kampl wohl nicht. "Wenn du dich zu sehr mit der Zukunft beschäftigst, scheiterst du in der Gegenwart." (Christian Hackl, DER STANDARD, 20.2.2014)

Technische Daten und mögliche Aufstellungen zur Fußball-Europa-League am Donnerstag - Sechzehntelfinale, Hinspiel:

Ajax Amsterdam - Red Bull Salzburg (Amsterdam ArenA, 21.05 Uhr/live ORF eins, SR Clement Turpin/FRA)

Ajax: Cillessen - Van Rhijn, Veltman, Moisander, Boilesen/Riedewald - Klaassen, Blind, Duarte/Serero - Schöne, S. De Jong, Fischer

Ersatz: Vermeer - Van der Hoorn, Denswil, Poulsen, De Sa, Bojan Krkic, Sigthorsson, Hoesen

Fraglich: Serero (Leistenverletzung), Boilesen (Muskelverhärtung im Oberschenkel)

Salzburg: Gulacsi - Schwegler, Ramalho, Hinteregger, Ulmer - Ilsanker - Kampl, Ch. Leitgeb, Mane - Soriano, Alan

Ersatz: Walke - Klein, Schiemer, Svento, Lazaro, V. Berisha, Meilinger, R. Zulj

Es fehlen: Vorsah (rekonvaleszent nach Kreuzbandriss), Hierländer, Rodnei (beide zwar in Amsterdam, wegen Trainingsrückstand aber nicht im Kader), Reyna, Dossou (beide Training bei FC Liefering)

Rückspiel am 27. Februar (19.00 Uhr) in Wals-Siezenheim

  • Kevin Kampl führt seit 2012 im Mittelfeld von Salzburg Regie. Für den 23-jährigen Slowenen sind die Spiele gegen Ajax das Highlight seiner bisherigen Karriere. "Wir sind noch nicht an unseren Grenzen angelangt, wir sind hungrig." Das Rückspiel gegen Ajax findet am 27. Februar in Salzburg statt. "Daheim können wir jeden schlagen."
    foto: apa/ krug

    Kevin Kampl führt seit 2012 im Mittelfeld von Salzburg Regie. Für den 23-jährigen Slowenen sind die Spiele gegen Ajax das Highlight seiner bisherigen Karriere. "Wir sind noch nicht an unseren Grenzen angelangt, wir sind hungrig." Das Rückspiel gegen Ajax findet am 27. Februar in Salzburg statt. "Daheim können wir jeden schlagen."

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