Solide Botschaft der Liebe

19. Februar 2014, 17:20
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Mlinar, freundlich im Ton und mit nettem Kampflächeln, fand sogar für die ÖVP-Konkurrenz lobende Worte

In unserer beliebten Serie "Kandidaten und Kandidatinnen zur EU-Wahl" landen wir heute bei den Neos, die ihre Liebe zur Europäischen Gemeinschaft herzhaft herausschwärmen. Konkret galt es, Angelika Mlinar zu beobachten, der die Verbreitung dieser romantischen Botschaft überantwortet wurde. Und siehe da: Schlagzeilen produzierende Verbalbumerangs im Stile Eugen Freunds (SPÖ) wurden nicht sichtbar.

Mlinar, freundlich im Ton und mit nettem Kampflächeln, fand sogar für die ÖVP-Konkurrenz lobende Worte ("Othmar Karas macht ausgezeichnete Europapolitik, kein Zweifel"). Und selbst Armin Wolfs Feststellung, man kenne die Europapositionen der Neos ja gar nicht, führte nicht zu Unherzlichkeit: "Warum auch immer wir gewählt werden", jeder Grund sei ihr recht. "Unsere Positionen sind sehr solide."

Nachdem Wolf jedoch mehrmals Unterschiede der Neos zu der ÖVP eingefordert hatte und sich mit "Europapolitik verstehen wir als Innenpolitik" nicht zufriedengab, kam doch etwas Unsicherheit auf. Wobei: Mit dem Abschweifen ins Abstrakte (es fielen Begriffe wie "Bürgernähe", "Transparenz" und "Effizienz") und dem Satz "wir wollen die EU nicht nur verwalten, sondern auch gestalten" offenbarte sich ebenfalls wenig Eigenständiges.

Dennoch eine solide Performance. Nach Mlinars Auftritt scheinen die Neos weiterhin eine sympathische Truppe sein zu wollen, die mit der Politik noch in den Flitterwochen weilt, indes TV-mäßig lieb rüberkommt. Erst im TV-Wahlkampf wird sich jedoch weisen, was Mlinars Herzlichkeit vermag. Die Konkurrenz dürfte nicht so freundlich bleiben wie Wolf. Das Kampflächeln könnte im Härtetest gefrieren. (Ljubiša Tošić, DER STANDARD, 19.2.2014)

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