Experiment: Affe lenkte narkotisierten Artgenossen per Gedanken

23. Februar 2014, 21:03
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Fortschritt in der Paralyseforschung: Wissenschaftern gelang es, den Arm eines Affen durch Gehirnaktivität eines zweiten zu bewegen

New York - Wissenschafter aus den USA vermelden einen möglicherweise großen Fortschritt für die zukünftige Behandlung von Lähmungen: In einem Experiment bewegte ein Affe mit Hilfe seiner Gedanken den Arm eines narkotisierten Artgenossen.

Die im britischen Fachmagazin "Nature Communications" veröffentlichten Studienergebnisse könnten einen vielversprechenden Ansatz für die Behandlung gelähmter Menschen beinhalten, so die Neurobiologin Maryam Shanechi von der Cornell-Universität im US-Staat New York. "Wir konnten zeigen, dass ein Lebewesen mit seinen Gedanken gelähmte Gliedmaßen kontrollieren kann."

Gehirnchip mit Rückenmark verbunden

Nach eigenen Angaben lehnten die Forscher eine künstlich herbeigeführte vollständige Lähmung eines Tieres aus ethischen Gründen ab. Stattdessen führten sie ihre Versuche mit zwei gesunden Affen durch: Einer wurde vorübergehend in Vollnarkose versetzt, ein zweiter blieb bei Bewusstsein. Diesem war zuvor ein Chip ins Gehirn implantiert worden, durch den das neuronale Muster seiner Bewegungen aufgezeichnet wurde. Nun verbanden die Forscher den Chip mittels 36 Elektroden mit dem Rückenmark des narkostisierten Tieres und testeten, auf welche Stimulationen eine Reaktion erfolgte.

In einem zweiten Experiment verbanden die Wissenschafter den Arm des narkotisierten Tieres mit einem Joystick, der zweidimensionale Bewegungen aufnahm. Gehirn und Rückenmark der beiden Versuchstiere waren ebenfalls verbunden. Der wache Affe saß vor einem Bildschirm, auf dem ein gelber Punkt und ein grüner Kreis zu sehen waren. Er wurde nun dazu gebracht, den gelben Punkt gedanklich in den grünen Kreis zu bewegen. Die Hoffnung: Die neuronale Aktivität sollte auf den narkotisierten Affen übertragen werden und dessen Arm über den Joystick die entsprechenden Bewegungen ausführen. Die Joystick-Bewegungen wiederum wurden auf dem Monitor des wachen Affen angezeigt. Sobald der gelbe Punkt in den Kreis eintrat, erhielt der Affe vor dem Bildschirm zur Belohnung einen Schluck Saft. 

Hohe Erfolgsrate im Experiment

Das Ergebnis: In 84 Prozent der Versuche gelang das Experiment. In früheren Untersuchungen war es bereits gelungen, dass Menschen eigene Bewegungen mit Gedankenkraft steuerten. Nach Angaben der Forscher wurden nun aber erstmals die Gedanken eines Lebewesens genutzt, um ein anderes zu steuern. Dies sei ein Beweis dafür, dass keine körperliche Verbindung zwischen dem Gehirn und gelähmten Gliedmaßen notwendig sei, um diese bewegen zu können- für die Behandlung von Lähmungen eine vielversprechende Erkenntnis. (APA/red, derStandard.at, 19.2.2014)

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