Düngung destabilisiert Grasland-Ökosysteme

20. Februar 2014, 12:37
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Weltweite Studie belegt einen unmittelbaren Zusammenhang zwischen Artenvielfalt und Stabilität

Minneapolis - Die Düngung von natürlichem Grasland - ob absichtlich oder durch Einträge von Landwirtschaft oder Industrie - hat weltweit eine destabilisierende Wirkung auf Grasland-Ökosysteme. Das belegt eine im Wissenschaftsmagazin Nature veröffentlichte Studie. Unter Federführung der University of Minnesota haben 31 Wissenschafter weltweit erstmals eine derart breit angelegte Untersuchung durchgeführt.

Die Wissenschafter konnten zeigen, dass Pflanzenvielfalt mittelfristig dafür sorgt, dass natürliche Ökosysteme stabilisiert werden, berichtet der Informationsdienst Wissenschaft. Der Grund: Das Wachstum der Pflanzen verläuft nicht synchron. "Dies wird auch als Portfolioeffekt bezeichnet", erläutert Projektleiter Eric Seabloom von der University of Minnesota. Also ähnlich wie bei einem breit gestreuten Geldanlageportfolio, das die Stabilität der Renditen begünstigt.

41 Standorte - weltweit

Die Forscher untersuchten Pflanzen weltweit an 41 Standorten, bestimmten die Anzahl der Arten und die Menge der Biomasse, die in einem bestimmten Zeitraum gewachsen ist. So wurde die Artenvielfalt und Ökosystemstabilität quantifiziert. Yann Hautier, der die Analysen zu Stabilität federführend durchführte, stellt fest: "Es ist wirklich erstaunlich, wie unmittelbar der Zusammenhang zwischen Artenvielfalt und Stabilität ist." Es zeigte sich, dass die Produktivität der Ökosysteme aber auch die Stabilität von der biologischen Vielfalt abhänge.

"Diese Vielfalt und Stabilität der Ökosysteme wird durch Einsatz von Dünger eingeschränkt", erklärt der Oldenburger Biologe und Direktor des Instituts für Chemie und Biologie des Meeres Helmut Hillebrand. Düngemittel werden im Grünland verwendet, um den Viehfutterertrag zu erhöhen. Es wird aber auch durch Landwirtschaft, Industrie und die Verbrennung fossiler Brennstoffe ungewollt Stickstoff eingetragen. Dadurch gehe die stabilisierende Wirkung der Artenvielfalt verloren und macht den Portfolioeffekt zunichte", so Hillebrand.

100 ehrenamtliche Mitarbeiter

Die Studie wurde durch mehr als 100 ehrenamtlich arbeitende Wissenschafter des Nutrient-Netzwerks möglich, die drei Jahre lang auf fünf Kontinenten Daten erhoben haben. (frei, DER STANDARD, 20.2.2014)

 

  • In naturnahen Wiesen verläuft das Wachstum nicht synchron: Dieser "Portfolioeffekt" sorgt für Stabilität.
    foto: dpa/karl-josef hildenbrand

    In naturnahen Wiesen verläuft das Wachstum nicht synchron: Dieser "Portfolioeffekt" sorgt für Stabilität.

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