Rasinger wil über Hypo-Insolvenz reden

19. Februar 2014, 13:46
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Es sei sinnvoll, auch über eine Pleite nachzudenken, sagt Wilhelm Rasinger. Vor allem solle man eine Debatte über die Profiteure führen

Wien/Klagenfurt - Für eine rasche Lösung bei der Hypo Alpe Adria plädiert der Präsident des Interessenverband für Anleger (IVA), Wilhelm Rasinger. Es werde beurteilt, wie der Finanzplatz Österreich in der Lage sei, solche Probleme zu lösen. Er ortet ein systemisches Versagen und hat kein Verständnis für die Ängstlichkeit vor der Insolvenz-Variante. Befassen müsse man sich mit den Profiteuren.

Er hab keine dezidierte Meinung, wonach eine Insolvenz der einzige Weg sei. Es mache aber sehr viel Sinn, darüber als Variante nachzudenken. Man solle bezüglich möglicher Auswirkungen auf die Refinanzierung der Länder und des Staates nicht zu ängstlich sein. Viel schlimmer sei es, die Dinge nicht rasch anzugehen.

Systematisches Versagen

Die Suche nach einem Sündenbock würde den Schaden nur vergrößern. Es liege ein systemisches Versagen vor, das man nicht an einer Person festmachen könne. Die Regierung sei Teil des Systems. Man müsse unterscheiden zwischen Verursachern und wer bei der Aufarbeitung versagt habe. Man müsse sich aber auch den Profiteuren des Systems zuwenden und nicht nur die Versäumnisse der Regierung im Auge haben. Das Geld sei ja nicht verschwunden. Rasinger würde sich nicht wundern, wenn ein Teil dieser Gelder in österreichischen Banken veranlagt worden wäre.

Ein grundsätzliches Problem ortet Rasinger darin, dass das Finanzministerium seit Jahren nicht optimal besetzt sei. Rasinger kritisiert mangelnde Erfahrung mit den Finanzmärkten. Jemand, der sich nicht auskenne, sei von Beratern abhängig. Wenn es eine Schönwetterperiode gebe, sei das kein Problem, man lerne das Geschäft ja auch. Ein Lehrling habe nichts als Finanzminister zu tun. Man müsse schauen, dass die kompetenten Leute an die richtigen Plätze kämen.

Untersuchungsausschuss nicht jetzt

Privatanleger, die an der Hypo beteiligt waren, seien schon geschoren worden. Entsprechende Finanzinstrumente seien bereits mit Abschlägen von mehr als 50 Prozent zurückgekauft worden. Rasinger ortet bei denjenigen Gläubigern, die auf eine Landeshaftung zurückgreifen können, aber eine Ungleichbehandlung etwa im Vergleich zu den Alpine-Anleihegläubigern. Anleger, die bei der Hypo etwas verlieren, würden in Zukunft wahrscheinlich aber in Österreich vorsichtiger sein.

Einen Untersuchungsausschuss lehne der IVA in der derzitigen Situation ab. Dies würde zu einer zusätzlichen administrativen Belastung der betroffenen Personen führen. Aktuell sei ein Untersuchungsausschuss problematisch, Rasinger spricht sich aber für eine Aufarbeitung mit zeitlicher Distanz aus.

Man sollte sich mit den Profiteuren befassen, und dabei nicht nur mit den Vorzugsaktionären, die seiner Ansicht nach ungerechtfertigt profitiert hätten, sondern auch mit Kreditnehmern. Die Bank habe auch aus mehreren Vorständen bestanden sowie all die Jahr einen Aufsichtsrat und einen Staatskommissär gehabt. (APA, 19.2.2014)

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