Feste Bezugspersonen für psychisch kranke Menschen

19. Februar 2014, 13:32
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Projekt soll Zahl von Behandlungsrückfälen und Rückfällen senken

Witten/Herdecke - Seit Anfang des Jahres werden psychisch kranke Menschen am St. Marien-Hospital in Hamm von einer festen Bezugsperson behandelt. "Wir wollen zeigen, dass sich so die Zahl der Behandlungsabbrüche und Rückfälle deutlich senken lässt, die Ergebnisqualität besser wird", sagt Karl H. Beine, Inhaber des Lehrstuhls für Psychiatrie und Psychotherapie der Universität Witten/Herdecke.

Integrative Psychiatrie Hamm (IPH) heißt das auf acht Jahre angelegte Projekt. Bisher haben Patienten mit psychischen Erkrankungen im Laufe einer Krankenhausbehandlung mit verschiedenen Ärzten und Psychologen zu tun. Nach der Aufnahme werden sie meist schon nach einigen Tagen auf eine andere Station verlegt, später schließen sich Aufenthalte in einer Tagesklinik und ambulante Behandlungen an.

Ansprechpartner Fall-Manager

Genau darin ortet Beine das Problem: "Die Beziehung zum Therapeuten ist in der Behandlung psychischer Erkrankungen einer der stärksten Wirkfaktoren, den wir kennen. Das zeigen zahlreiche Forschungsarbeiten. Im derzeitigen System aber wird die Behandlung immer wieder abgebrochen, weil die Therapeuten häufig wechseln." Dem will Beine mit dem Modellprojekt IPH entgegen wirken: Ein Fall-Manager dient dem Patienten während der gesamten Behandlung als fester Ansprechpartner. Das wird in der Regel ein Oberarzt sein, der die gesamte Therapie und nicht nur einen Abschnitt im Blick hat.

Rund 20 Prozent der Bevölkerung benötigen mindestens einmal im Leben eine Behandlung. Bei der Krankenhausbehandlung sind die Fallzahlen von 1994 bis 2012 in Deutschland um 58 Prozent gestiegen."Die Krankenhausbehandlung bei psychisch kranken Menschen ist dringend reformbedürftig. Bei depressiv erkrankten Menschen sieht das so aus: Fast ein Drittel der Patienten zeigen innerhalb von zwei Jahren die gleichen Symptome wieder. Deswegen beschreiten wir neue Wege in Nordrhein-Westfalen zum ersten Mal", sagte Heiner Beckmann, Landesgeschäftsführer der Barmer GEK Nordrhein-Westfalen bei der Vorstellung des Projekts.

Die Krankenkassen stellen dem St. Marien-Hospital ein festes Budget von circa zwölf Millionen Euro zur Verfügung, was der Höhe der bisherigen Ausgaben entspricht. "Wir können mit dem Geld den Patienten die Behandlung anbieten, die medizinisch sinnvoll ist und die sie sich selber wünschen. Wir behandeln nicht andere Patienten, sondern unsere Patienten anders. ", fasst Beine das Modell zusammen. (red, derStandard.at, 19.2.2014)

 

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