Angestellten gewürgt: Das eskalierte Kündigungsgespräch

19. Februar 2014, 18:37
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Das Ende eines Arbeitsverhältnisses endete vor Gericht: Ein 35-jähriger Unternehmer soll einen Untergebenen während des Kündigungsgesprächs attackiert haben. Warum, weiß er eigentlich selbst nicht mehr

Wien - Ein Kündigungsgespräch ist in Zeiten der Krise keine Seltenheit. Dass Arbeitnehmer dabei emotional reagieren, ebenso wenig. Dass aber der Arbeitgeber seinem Untergebenen dabei aus maximal leicht bewölktem Himmel heraus an die Gurgel geht, schon. Da er das gemacht haben soll, sitzt Unternehmer Johannes M. vor Richter Christian Gneist, die Anklage lautet auf Körperverletzung, Nötigung und gefährliche Drohung.

Der 35-Jährige, der ohne Verteidiger erschienen ist, bekennt sich teilweise schuldig. "Die Körperverletzung steht außer Frage, aber ich bringe doch keinen um", erklärt er dem Richter. "Die Staatsanwaltschaft wirft Ihnen ja auch kein Mordkomplott vor, sonst würden wir hier vor Geschworenen sitzen, und Ihnen würde lebenslange Haft drohen", klärt ihn Gneist auf. "Es geht darum, ob Sie ihm angedroht haben, ihn umzubringen, und er das ernst genommen haben könnte." Habe er sicher nicht, sagt der Angeklagte.

"Mittel" betrunken mit 2,34 Promille

Zugetragen hat sich die Sache am 13. Dezember 2013. "Ich hatte einen schlechten Tag, das ganze Jahr war geschäftlich schrecklich. Und ich war übernachtig wegen einer Feierlichkeit." - "Waren Sie betrunken?", fragt der Richter. "Mittel." Eine Einschätzung, die auf eine gewisse Trinkfestigkeit schließen lässt - gemessen wurden später 2,34 Promille.

Am Tattag habe er Herrn B. zu sich ins Büro bestellt, um ihm die Kündigung auszusprechen. "Ich war auf ihn ziemlich sauer. Irgendwas hat sich da vielleicht entladen", sagt er. Die von ihm gewünschte einvernehmliche Kündigung lehnte der Arbeitnehmer ruhig ab - M. entlud sich, indem er sein Gegenüber an der Gurgel packte und ihn anschließend schimpfend auf die Straße verfolgte.

Der 44-jährige B. wurde nach seiner Darstellung von der Kündigung und vor allem von der Attacke völlig überrascht. Er war davon ausgegangen, dass der Chef ihn ins Büro lud, um über Spesen zu reden, die M. ihm noch schuldete. Geld bekam er nicht, der Job war auch weg. "Ich habe dann noch gesagt, dass ich zur Arbeiterkammer gehe, bin aufgestanden und wollte meine Jacke anziehen. Plötzlich ist er auf mich zu und hat mich gewürgt."

Sechs Wochen Schluckbeschwerden

Sechs Wochen habe er Schluckbeschwerden gehabt, er sei auch noch immer in psychotherapeutischer Behandlung. "Ich habe ihn seit fünf Jahren gekannt, es gab auch nie was zwischen uns", sagt B. Dass M. ihn mit dem Umbringen bedroht habe, kann er aber nicht bestätigen.

Der Angeklagte entschuldigt sich noch beim Opfer, ehe Richter Gneist rechtskräftig entscheidet: Statt einer Vorstrafe gibt es für die Körperverletzung eine Diversion. Der Unternehmer muss seinem Ex-Mitarbeiter 2.000 Euro zahlen, das Verfahren wird mit einer Probezeit von zwei Jahren vorläufig eingestellt. (Michael Möseneder, derStandard.at, 19.2.2014)

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