RH: Testprojekt zu E-Medikation wenig aussagekräftig

19. Februar 2014, 11:17
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Gesamtkosten lagen 24 Prozent über ursprünglichem Budget - Teilnehmerzahl weit unter Erwartungen

Der Rechnungshof (RH) kritisiert das Pilotprojekt zur E-Medikation, einer der Kernanwendungen der Elektronischen Gesundheitsakte (ELGA). In ihrem am Mittwoch veröffentlichten Bericht kommen die Prüfer zu dem Ergebnis, dass die Gesamtkosten mit rund 3,9 Millionen Euro um etwa 24 Prozent über dem ursprünglichen Budget lagen.

Blockade verursachte Mehrkosten

Das Budget des Pilotprojekts war ursprünglich mit 3,15 Millionen Euro genehmigt worden. Nachdem Ärzte und Apotheker das Projekt monatelang blockiert hatten, musste der Projektstart vom 1. Dezember 2010 auf 1. April 2011 verschoben werden - gelaufen ist das Projekt in zwei Wiener Bezirken, in Grieskirchen in Oberösterreich sowie in Reutte in Tirol dann bis Ende 2011. Die Verschiebung hat laut RH zu Mehrkosten von rund 189.000 Euro geführt.

Nicht zuletzt aufgrund der Verschiebung wurde ein Nachtragsbudget notwendig, das insgesamt 332.200 Euro ausmachte. Darin enthalten waren auch andere Zusatzkosten, die im Laufe der Projektarbeit auftraten, wie etwa Mehraufwand für Personal bzw. Schnittstellenintegration. Außerdem waren im Budget nichtabzugsfähige Vorsteuern nicht enthalten.

Über Budget

Durch das Nachtragsbudget erhöhte sich das Gesamtbudget um rund 20 Prozent auf 3,77 Millionen Euro. In der Projektabrechnung wurden dann rund 3,74 Millionen Euro Gesamtkosten ausgewiesen. Dieser Abrechnungsbetrag war jedoch unvollständig, weil er nicht sämtliche dem Projekt zurechenbare Kosten - etwa jene für die Evaluierung von rund 126.000 Euro - enthielt. Deshalb beliefen sich die Gesamtkosten des Pilotprojekts laut RH letztlich auf rund 3,9 Mio. Euro und lagen somit um rund 24 Prozent über dem ursprünglichen Budget von 3,15 Millionen Euro.

Geringe Teilnehmerzahl

Die wissenschaftliche Evaluierung des Pilotprojekt ergab zwar ein positives Gesamtbild, ihre Aussagekraft war jedoch nach Ansicht der Prüfer insbesondere "durch die geringe Teilnehmerzahl und die fehlende Flächendeckung erheblich eingeschränkt". In Wien-Floridsdorf und Donaustadt nahmen statt der geplanten fünf nur etwa 0,6 Prozent der rund 153.000 E-Card-Besitzer an dem Projekt teil. Die geplante Mindestteilnehmerzahl von 150 Ärzte wurde verfehlt, weil nur 97 Ärzte im Gesamtzeitraum bzw. 85 Ärzte im Evaluierungszeitraum sich beteiligten.

Im Evaluierungszeitraum wurden insgesamt 16.570 Warnungen aufgezeigt, darunter 110 schwerwiegende Warnungen vor Wechselwirkungen von Medikamenten. Somit entfielen 0,7 Prozent der Gesamtwarnungen auf solche Wechselwirkungen, die potenziell mit erheblichen gesundheitlichen Beeinträchtigungen, bis hin zum Tod des Patienten verbunden sein können. (APA, 19.2.2014)

  • Im Evaluierungszeitraum zur E-Medikamentation wurden insgesamt 16.570 Warnungen aufgezeigt, darunter 110 schwerwiegende Warnungen vor Wechselwirkungen von Medikamenten.
    foto: dpa

    Im Evaluierungszeitraum zur E-Medikamentation wurden insgesamt 16.570 Warnungen aufgezeigt, darunter 110 schwerwiegende Warnungen vor Wechselwirkungen von Medikamenten.

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