Französischer Staat und Chinesen retten Peugeot

19. Februar 2014, 10:25
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Chefwechsel und Chinesen sollen die Zukunft des angeschlagenen französisches Autobauers PSA Peugeot Citroen sichern

Paris - Geschwächt von einem neuen Milliardenverlust hat der zweitgrößte europäische Autobauer PSA Peugeot Citroen die konkreten Pläne für den Einstieg des chinesischen Herstellers Dongfeng vorgestellt. Im Zuge einer Kapitalerhöhung um drei Milliarden Euro soll das Unternehmen aus dem Reich der Mitte für 800 Mio. Euro einen 14-Prozent-Anteil an dem VW-Konkurrenten übernehmen.

Gleichzeitig steigt der französische Staat im selben Umfang ein, um zu verhindern, dass die Chinesen die Kontrolle über das französische Traditionsunternehmen erlangen.

Im vergangenen Jahr verbuchte PSA nach am Mittwoch veröffentlichten Zahlen einen Verlust in Höhe von 2,3 Mrd. Euro. Die eigentlichen Geschäfte liefen allerdings nicht ganz so schlecht wie befürchtet. Im Kerngeschäft machte PSA nur noch 177 Mio. Euro Verlust - obwohl der Konzernumsatz im Vergleich zum Vorjahr um 2,4 Prozent auf 54,1 Mrd. Euro sank. Experten hatten mit einem Minus von fast 250 Mio. gerechnet. 2012 stand unter dem Strich noch ein Rekordverlust von rund 5 Mrd. Euro.

PSA steckt vor allem wegen der Absatzkrise in Europa in erheblichen Schwierigkeiten und muss deswegen derzeit rund 11.000 Stellen abbauen. Experten zufolge hatte sich der Konzern in der Vergangenheit zu stark auf die Geschäfte auf dem Heimatkontinent konzentriert.

Chefwechsel

Deutliches Zeichen des jetzt eingeläuteten Umbruchs soll die Ablösung des bisherigen Konzernchefs Philippe Varin werden. Bereits von diesem Donnerstag an wird nach PSA-Angaben der frühere Renault-Manager Carlos Tavares die Geschäfte des Konzerns führen. Er war zu Jahresbeginn in das PSA-Management eingestiegen.

Weitere wichtige Veränderung ist der Kontrollverlust der Peugeot-Familie über das Unternehmen. Ihr Anteil verringert sich im Zuge der Kapitalerhöhung von aktuell 25 auf ebenfalls 14 Prozent. Die Finanztochter Banque PSA Finance soll mit dem spanischen Institut Santander Consumer Finance zusammengeschlossen werden. Sie hatte zuletzt Milliardengarantien des französischen Staates in Anspruch nehmen müssen.

Der zweitgrößte chinesische Autobauer Dongfeng will seine Kooperation mit dem angeschlagenen französischer Hersteller nach seinem Einstieg ausbauen. Die Forschung und Entwicklung sollen erweitert und die Zusammenarbeit in dem gemeinsamen Joint Venture in China intensiviert werden. Beide wollen auch neue Exportmärkte ins Visier nehmen, wie aus einer Mittwoch vorliegenden Mitteilung von Dongfeng an Hongkongs Börse hervorgeht.

Beide Hersteller setzen sich als Ziel, bis 2020 jährlich insgesamt 1,5 Millionen Autos unter den Marken Dongfeng, Peugeot und Citroen zu produzieren. Sie wollen auch eine Exportfirma gründen, um Autos aus ihrem Joint Venture in China in der asiatisch-pazifischen Region und insbesondere in der südostasiatischen ASEAN-Region zu verkaufen.

Der Einstieg Dongfengs soll Ende März besiegelt werden. Dann wird Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping zu einem Besuch in Paris erwartet. (APA, 19.2.2014)

  • Ein Peugeot bei der Guangzhou Auto Show 2013.
    foto: ap/kin cheung

    Ein Peugeot bei der Guangzhou Auto Show 2013.

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