Weiterbildung: Wer soll zahlen?

19. Februar 2014, 09:56
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Nur ein Drittel meint, dass Arbeitgeber für Weiterbildung zahlen sollen. Die Mehrheit ist bereit, in die eigene Tasche zu greifen, um so die Karriere voran zu treiben und das Selbstbewusstsein zu stärken

Karriere zu machen ist für zwei Drittel aller Österreicher ein wichtiges Ziel im Leben. Neben Soft Skills wie Selbstbewusstsein oder kommunikativer Kompetenz wird ständige Weiterbildung als Karrieremotor gesehen. Obwohl ältere Arbeitnehmer den Wert des lebenslangen Lernens erkennen, bilden sich die Jüngeren häufiger weiter, ergab eine repräsentative Umfrage des Marktforschungsinstituts MindTake Research unter 500 Internet-Usern.

Weiterbildung nimmt bei den österreichischen Arbeitnehmern einen hohen Stellenwert ein: 95 Prozent erachten lebenslanges Lernen als wichtig und für 44 Prozent stellt regelmäßige Weiterbildung eine Voraussetzung für beruflichen Erfolg dar. Die Studie zeigt, dass vor allem die über 30-Jährigen und die Befragten ohne Matura das Besuchen von Seminaren oder Kursen als bedeutenden Faktor sehen, um die eigene Karriere voranzutreiben.

Daher überrascht, dass sich in den letzten beiden Jahren zwei Drittel der 15- bis 29-Jährigen, aber nur 48 Prozent der 50- bis 64-Jährigen beruflich weitergebildet haben. Obwohl die Arbeitgeber den über 50-Jährigen die meisten Weiterbildungsmöglichkeiten zur Verfügung stellen, scheint die Lernmotivation mit dem Alter abzunehmen. Die Teilnahme an Weiterbildungsmaßnahmen wird ebenfalls von Geschlecht, Bildung und Einkommen beeinflusst. So haben vermehrt Männer und Personen mit einem höheren Bildungsgrad bzw. einem höheren Monatsgehalt Kurse und Workshops in Anspruch genommen.

Aus der eigenen Tasche?

Zwei Drittel der Österreicher sind bereit, für berufliche Weiterbildung selbst in die Tasche zu greifen. Die meisten würden bis zu 500 Euro pro Jahr zahlen. Fünf Prozent wären sogar bereit, über 1000 Euro zu investieren. Ein Drittel meint hingegen, dass für die Finanzierung von Weiterbildungsmaßnahmen ausschließlich der Arbeitgeber verantwortlich ist.

Auf die Frage, welchen Nutzen die Befragten aus Weiterbildungen ziehen, nennen 40 Prozent die Steigerung der fachlichen Kompetenz. Weitere 23 Prozent können ihr Selbstvertrauen erhöhen. Ein Fünftel fühlt sich nach absolvierter Weiterbildung sicherer bei der Erfüllung der eigenen Aufgaben im Unternehmen. Von einer höheren Position (elf Prozent) oder einer Erhöhung des Gehalts (acht Prozent) profitieren die wenigsten Arbeitnehmer.

Gern lernen

Mehr alsd die Hälfte der Befragten (54 Prozent) freut sich auf berufliche Weiterbildung. Von den 59 Prozent der Befragten, die in den letzten zwei Jahren tatsächlich an einer Weiterbildung teilgenommen haben, ergriffen 57 Prozent selbst die Initiative und kümmerten sich persönlich um Weiterbildungsmaßnahmen. Das Internet diente dabei als wichtigste Informationsquelle. Bei etwas mehr als einem Drittel (37 Prozent) wurde die Weiterbildung vom Unternehmen veranlasst. Ein Fünftel absolvierte Seminare oder Workshops auf Vorschlag eines direkten Vorgesetzten. Das Alter spielt in diesem Zusammenhang wieder eine Rolle: Jüngere Arbeitnehmer ergreifen öfters selbst die Initiative, wohingegen Ältere eher an einer Weiterbildung teilnehmen, wenn dies vom Unternehmen gewünscht wird.

Die Freizeit opfern

Fast jeder Zweite (47 Prozent), der sich in den letzten beiden Jahren beruflich weitergebildet hat, absolvierte die Weiterbildung außerhalb der Arbeitszeit. Knapp ein Drittel wendete unter der Woche Freizeit auf, um an Kursen oder Workshops teilzunehmen. 16 Prozent der Befragten lernten sogar am Wochenende bzw. im Urlaub. (derStandard.at, Karin Bauer, 19.02.2014)

 

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