Bankchef Picker: "Hypo kostet Staat null bis vier Milliarden"

18. Februar 2014, 23:18
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Ex-Landeshauptmann Dörfler bot Bayern noch 2009 Landeshaftung

Der Vorstandsvorsitzende der Hypo Alpe Adria, Alexander Picker, hat sich am Dienstagabend festgelegt. Auf die Frage im ORF-"Report", wie viel die Bank den Steuerzahler noch kosten werde, antwortete er: "Im schlimmsten Fall würde ich einmal sagen, die Range ist von null bis vier Milliarden." Die vier seien "noch hochgegriffen". Somit steht eine neue Zahl im Raum. Kanzler Werner Faymann hatte noch am Dienstag  in der Kleinen Zeitung von Kosten von "vier bis sieben Milliarden" gesprochen.

Wie man in der Hypo auf die maximal vier Milliarden kommt, berichtete die APA nach dem Picker-Interview unter Berufung auf Informationen aus der Bank so: Die Hypo habe derzeit noch offene Kredite im Wert von zehn Milliarden Euro in den Büchern, jeweils zur Hälfte "faule"  und gute. Dem stünden nach Marktwert berechnet 9,3 Milliarden Euro an Sicherheiten gegenüber. Etwa 800 Millionen Euro an Krediten seien also nicht abgesichert. Wenn man die Hälfte der Sicherheiten den faulen Krediten zuschreibe und davon ausgehe, dass sie nur zur Hälfte des von der Hypo erhobenen Marktwertes versilbert werden können, würde eine Lücke von gut zwei Milliarden Euro entstehen. Dazu habe die Hypo noch einen Puffer von einer Milliarde Euro angenommen – für den Fall, dass die Balkan-Töchter nicht zum Buchwert zu verkaufen sind. 

Taskforce rechnet

Bis Dienstag war man (auch in Aufsichtskreisen) auf "Schätzziffern" angewiesen gewesen, wie es heißt – umso mehr, als ja die Bilanz 2013 noch nicht steht. Das galt auch für die Hypo-Taskforce – genauer gesagt deren Mitglied, Hypo-Sonderkoordinator Georg Krakow, der derzeit gerade mit diversen Rechenmodellen beschäftigt ist. Er und sein Team untersuchen zwei Anstaltsvarianten auf deren Machbarkeit und Wirkungen. In der einen flössen 19 Milliarden Euro an Assets in die Bad Bank bzw. Anstalt, in der zweiten wären es Vermögenswerte von "lediglich" 13 Milliarden Euro.

Die 19 Milliarden Euro entsprechen dem gesamten Abbau-Portfolio der verstaatlichten Hypo; die zweite Variante fußt auf einem Papier aus der Notenbank, das deren Gouverneur Ewald Nowotny aufs Tapet gebracht hat. In diesem Modell geht es nur um jene rund 13 Milliarden Euro an Vermögenswerten, die bereits in einer Zwischenholding lagern, der Heta Asset Resolution. Dieses Portfolio soll vergleichsweise einfach und übersichtlich strukturiert sein – was Verwertung und Abbau vereinfachen würde. Auch in dem Fall gilt aber: Exeigentümerin BayernLB müsste der Abspaltung zustimmen.

Auch was die Vergangenheit der Ex-Landesbank betrifft, wurde per ORF-"Report" ein neues, pikantes Detail bekannt. Ex-Landeshauptmann Gerhard Dörfler bot den bayerischen Mehrheitsaktionären noch im März 2009 weitere Landeshaftungen an. In einem Brief an Bayerns Finanzminister Georg Fahrenschon schrieb er, das Land Kärnten sei "gerne bereit, bei der Neuausrichtung der Hypo ... zur weiteren positiven Entwicklung der Bank unterstützend mitzuwirken und auch für die geplante Anleihe ... eine Landeshaftung zu gewähren". Notabene: Die Landeshaftungen betrugen damals bereits rund 20 Milliarden Euro. 

Die Diskussionen über die Hypo und eine mögliche Insolvenz samt Haircut für Anleihezeichner hat sich nun übrigens auch aufs Vertrauen von Moody's in Staats- bzw. Landeshaftungen in Österreich geschlagen. Die Agentur hat am Dienstagabend ihr Rating für garantierte Anleihen von vier Banken um zwei Stufen gesenkt und den Ausblick auf negativ gesetzt. Betroffen sind vom Land Tirol garantierte Papiere (nicht die Institute selber) der Hypo Tirol, von Vorarlberg garantierte der Vorarlberger Hypo, von Wien garantierte der Bank Austria sowie Papiere der Pfandbriefstelle. (gra, APA, DER STANDARD, 19.2.2014)

  • Hypo-Chef Picker spricht von maximal vier Milliarden Euro, die auf den Steuerzahler zukommen könnten.
    foto: hypo alpe adria

    Hypo-Chef Picker spricht von maximal vier Milliarden Euro, die auf den Steuerzahler zukommen könnten.

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