Die Freude über alte Grüne Veltliner

Kolumne4. März 2014, 15:39
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Eine Verkostung von Grüner-Veltliner-Serien zurück bis 1971 gibt Anlass, den Herrn oder sonst wen zu preisen, dass man diesen Beruf ausüben darf

Nur selten kann ein Veltliner über mehrere Jahrzehnte verfolgt werden. Bis in die 1980er war es angesichts seines Standings nicht üblich, sich groß etwas zurückzulegen: Veltliner war ein Alltagswein, der in die Gegend passte und einiges abwarf. Manchmal gelang Großes, wobei die überzeugendsten Altmeister oft "Lagenweine" sind und dort entstanden, wo das Zusammenspiel von Boden, Klima und Rebsorte eben geeignet ist, Topqualität hervorzubringen. Ein Beispiel dafür ist Veltliner Spiegel vom Mantlerhof (Kremstal), der 1973 und 1981 laut Sepp Mantler auch noch ruppigst behandelt worden war, indem man ihn wenig schonend durch eine Spindel quetschte.

Selbst jugendlichere Exemplare eines solchen Weines fallen ungewöhnlicher aus, als viele der heute üblichen, glattgebügelten Einheitsveltliner der Marke frisch-fruchtig-spritzig. Der zweite Aspekt: Veltliner der Wachau und des Kamptals aus den 1990ern waren großes Kino. Nach der Jahrtausendwende bekamen sie jedoch schwere Konkurrenz: vom Wagram und aus dem Kremstal, das wieder an seinen Glanz der 1970er anschloss, aber auch aus dem Traisental und nicht zuletzt aus dem Weinviertel. Für Veltliner-Fans lohnt es sich, auch dort zu suchen. (Luzia Schrampf, Rondo, DER STANDARD, 21.2.2014)

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    foto: gerald zagler
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