Hypo-Querelen: Eine Frage der Bewertung

Kommentar18. Februar 2014, 18:25
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Über den Modus der Abbaueinheit schweigen sich Politik und Bank aus

Dass das Hypo-Debakel so erzürnt, hängt wahrscheinlich auch damit zusammen, dass die Affäre schwer greifbar ist. Selbst eingefleischte Insider können recht wenig aus einer Bilanz herauslesen. Wenn dann Beträge von 13 oder 19 Milliarden Euro kursieren, die in eine öffentliche Anstalt eingewiesen werden sollen, brennen die Sicherungen beim Steuerzahler durch. So stellt sich beispielsweise die Frage, warum der Transfer der faulen Kredite mit einer neuerlichen Abwertung der Darlehen verbunden sein soll. Wurden die Kredite nach all den Jahren hoher Verluste und ständiger Staatszuschüsse noch immer nicht auf ein realistisches Ausmaß abgeschrieben?

Damit hängen die Sicherheiten für die Kredite zusammen: Sind die werthaltig, oder sitzt die Bank auch hier auf einer Mülldeponie? Und wie sieht es mit den Beteiligungsansätzen für die Osteuropatochter aus? Stehen da immer noch Fantasiezahlen drinnen? Wenn ja: Was haben Aufsicht und Wirtschaftsprüfer unternommen?

Keine Frage: Bankbilanzen sind komplex. Buchwerte hängen davon ab, ob eine Bank als Konzern fortgeführt wird oder die Teile unter Druck verkauft werden müssen. Zur Beruhigung tragen diese Umstände nicht gerade bei. Gegengesteuert wird wenig. Über den Modus der Abbaueinheit schweigen sich Politik und Bank aus. Man muss ja erst prüfen. Die Hypo-Schieflage kam nach vierjähriger Schrecksekunde doch etwas plötzlich. (Andreas Schnauder, DER STANDARD, 19.2.2014)

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