Die verweigerte Unterschrift

18. Februar 2014, 17:51
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Am Dienstag in der Früh hat es an der Tür geklopft

Am Dienstag in der Früh hat es an der Tür geklopft. Zwei Damen waren da und wollten einen Blick in jenes Kastl werfen, welches eindeutig dafür vorgesehen ist, einen Kühlschrank zu beherbergen. Das Kastl ist leer, was nicht weiter schlimm ist. Und doch schaut man jeden Tag rein, denn mitunter gibt es Überraschungen in der Siedlung am Meer mit den 16 Wohnblöcken mit jeweils fünf Etagen. Täglich mehren sich die an den Laternen aufgehängten Blumenkisten in der großzügigen Anlage. Seit drei Tagen gibt es Schuhputzautomaten. Das Fehlen des Kühlschranks wird notiert. Vielleicht gibt's demnächst eine Überraschung. Für die ist es nie zu spät.

Das russische Gesetz schreibt vor, dass ein Formular zu unterzeichnen ist, um die Einhaltung des Vertrags zwischen Quartiergeber und -nehmer zu bestätigen. Man weist die freundliche Dame am Schalter im Hauptpressezentrum darauf hin, dass einem zum Buchungszeitpunkt vor ewigen Zeiten nur Doppelzimmer angeboten und von der Firma auch bezahlt wurden. Bei der Ankunft freilich und noch lange nach derselben waren nur Einzelzimmer verfügbar, was nicht weiter schlimm ist. Die kosten aber weniger, weshalb für Erstaunen sorgt, dass noch eine Kleinigkeit zu zahlen ist.

Die Freundliche hält Rücksprache mit dem Quartiergeber und gibt weiter, dass jetzt ein Doppelzimmer zu haben wäre. Abgesehen davon, dass es dafür nun wirklich zu spät ist, riet die Rezeption erst vor zwei Tagen dringend davon ab, denn es könne passieren, dass einem ein Unbekannter zugeteilt werde. Jetzt versteht die Dame am Schalter, weshalb man nicht unterschreibt. (Benno Zelsacher, DER STANDARD - 18.2. 2014)

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