EU-Forschungsprojekt: Was von der Olive übrig blieb

19. Februar 2014, 19:18
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Ein EU-Forschungsprojekt kümmert sich um eine möglichst restlose Verwertung der mediterranen Frucht

Alles, was verwertet werden kann, soll verwertet werden, auch bei Oliven. Aus den Rückständen der Olivenölproduktion sollen in Zukunft Chemikalien und umweltfreundliche Energie gewonnen werden. Im Rahmen des EU-Projekts Phenolive wollen Wissenschafter dafür sorgen, dass die Rückstände aus der Olivenölpressung nicht mehr im Abfall landen. Auch die Technische Universität Wien ist an dem Projekt mit einer Vergasungstechnologie beteiligt. Sie soll helfen, aus den Rückständen elektrische Energie und Wärme zu gewinnen.

Acht Millionen Tonnen Trester, also Pressrückstände, bleiben in Europa jedes Jahr bei der Olivenverarbeitung übrig. Von der Verwertung dieser Masse könnte die europäische Wirtschaft profitieren, da sie durchaus noch wertvolle Stoffe enthält. Die Forscher wollen den Rückständen etwa ein höheres Maß an Polyphenolen entziehen. Das sind aromatische Verbindungen, die man in der Kosmetikproduktion oder der Nahrungsmittelindustrie weiterverwenden kann. Mit sogenannten gepulsten elektromagnetischen Feldern soll die Extraktion der Polyphenole aus dem Oliventrester deutlich gesteigert werden. Der Markt für Polyphenole hatte 2011 in der EU ein Volumen von 120 Million Euro erreicht.

Was nach der Olivenölpressung und der Polyphenolgewinnung noch immer übrig bleibt, kann zur Energiegewinnung genutzt werden. Das Team rund um Hermann Hofbauer vom Institut für Verfahrenstechnik der TU Wien hat ein Vergasungsverfahren entwickelt, das bereits an universitären Versuchsanlagen und in den Großanlagen in Oberwart und Güssing erprobt wurde.

Das Team der TU Wien hält bereits einige Patente im Bereich der energetischen Verwertung von Biomasse. Die nächste Generation der sogenannten Dual-Fluid-Vergasung ermöglicht die Nutzung alternativer Festbrennstoffe. Dazu gehören unter anderem biogene Reststoffe aus der Olivenölindustrie. "Mit der neuen Generation der Vergasungstechnologie erwarten wir einerseits eine verbesserte Prozesseffizienz und andererseits auch eine bessere Gasqualität", erklären Johannes Schmid und Stefan Müller aus Hofbauers Forschungsteam. Durch eine bessere Gasqualität werden demnach auch weiterführende Synthesen möglich, etwa die Produktion von Treibstoffen.

Das Projekt Phenolive läuft noch bis 2016. Neben akademischen Forschungsstätten wie der TU Wien sind auch eine Reihe von Industriepartnern wie Laboratoire Phenobio oder Repotec beteiligt. Die EU fördert Phenolive im Rahmen des FP7-Programms. (pum, DER STANDARD, 19.2.2014)

  • Olivenernte im Süden Frankreichs. Ein EU-Projekt will dafür sorgen, dass die Pressrückstände bestmöglich verwertet werden.
    foto: reuters/eric gaillard

    Olivenernte im Süden Frankreichs. Ein EU-Projekt will dafür sorgen, dass die Pressrückstände bestmöglich verwertet werden.

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