Schwangere brauchte zwei Stunden ins Spital: Baby tot

18. Februar 2014, 15:44
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Komplikation bei Geburt facht Diskussion um Gebärstation-Schließung in Voitsberg erneut an

Graz/Voitsberg - Peter Hofmann, Leiter der Gynäkologie im LKH Deutschlandsberg, ist hörbar betroffen: "Das ist immer das Schlimmste, was Geburtshelfern passieren kann: ein totes Baby." Auf seiner Station kam, wie jetzt bekannt wurde, vor eineinhalb Wochen für das Kind einer 20-Jährigen aus Maria Lankowitz (Bezirk Voitsberg) jede Hilfe zu spät.

Die Erstgebärende hatte in der 37. Schwangerschaftswoche die Wehen bekommen und die Rettung gerufen. Was sie nicht wusste und laut Hofmann auch eine werdende Mutter selbst nur schwer bemerken kann: Die Plazenta hatte sich vorzeitig abgelöst, und das Baby war in akuter Lebensgefahr. Das Kind konnte nur mehr tot entbunden werden, die Mutter in letzter Minute durch einen Notkaiserschnitt gerettet werden, nachdem ihr Kreislauf zusammengebrochen war und sie auch nach außen zu bluten begonnen hatte.

Mutter nur knapp überlebt

"Das ist ein schicksalshafter Verlauf", erklärt der Primarius im Standard-Gespräch, "solche Ablösungen gibt es in 0,4 bis 0,8 Prozent der Fälle, nur manchmal ist ein Trauma wie ein Sturz dafür verantwortlich, meist ist es eben schicksalshaft". Ab einer Ablösung von etwa einem Drittel der Plazenta ist ein Kind in Lebensgefahr, weil es nicht mehr mit Sauerstoff versorgt wird und "innerhalb von Minuten Hilfe braucht", so der Arzt. Ab zwei Drittel Ablösung ist auch die Mutter akut in Gefahr.

Genau diese Minuten lassen nun die Debatte um das im Dezember 2012 unter breitem Protest von der steirischen Regierung geschlossene LKH Voitsberg neu aufflammen. Denn die Frau hatte erst viel zu lange auf die Rettung gewartet und war dann eine Stunde ins LKH Deutschlandsberg unterwegs.

In das LKH Voitsberg, wo von 1979 bis 2012 Kinder zur Welt gebracht wurden, hätte die Frau 15 Minuten mit dem Auto gebraucht. Ob es das Baby dorthin geschafft hätte? Hofmann will sich nicht festlegen: "Das wäre natürlich eine Mutmaßung, ich kann nur sagen, es geht in so einem Fall um ganz wenige Minuten."

Grund zur Thematisierung

Für tausende Menschen, unter ihnen viele schwangere Frauen aus dem Raum Voitsberg, ist der traurige Fall ein Grund, noch einmal die Schließung der Gebärstation in der Bezirkshauptstadt Voitsberg zu thematisieren. Einige haben sich auf einer Facebookseite zusammengeschlossen, nachdem ihr Protest vor Ort und das Sammeln von 13.000 Unterschriften, die im Landtag vorgelegt wurden, erfolglos geblieben waren. "Wenn ich denke, ich hatte drei Tage Wehen und dann einen Notkaiserschnitt, und da sind die Ärzte nur mehr gelaufen!!! Aber ich hatte das Glück, dass es Voitsberg noch gegeben hat, weil wer weiß, wie es sonst ausgegangen wäre!!!", schreibt etwa eine Frau aus dem Bezirk am Dienstag auf die Facebookseite, wo der Fall betroffen diskutiert wird.

Claudia Klimt-Weithaler, Klubchefin der steirischen KPÖ, die sich mit den Grünen und Bürgerplattformen gegen die Schließung starkgemacht hatte, forderte am Dienstag den Rücktritt von ÖVP-Gesundheitslandesrätin Kristina Edlinger-Ploder und die Wiedereröffnung der Voitsberger Station.

Aus dem Büro Edlinger-Ploder hieß es auf Standard-Nachfrage, man werde den Fall "ganz genau überprüfen". Die Entscheidung zur Schließung erfolgte jedenfalls nach den Vorgaben von Experten, die im "Österreichischen Strukturplan Gesundheit" stehen. (Colette M. Schmidt, DER STANDARD, 19.2.2014)

  • Demo vor dem Landtag in Graz gegen die Schließung der Voitsberger Gebärstation. Ob das Baby dort überlebt hätte, ist unklar.
    foto: georg fuchs

    Demo vor dem Landtag in Graz gegen die Schließung der Voitsberger Gebärstation. Ob das Baby dort überlebt hätte, ist unklar.

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