Chinesen kaufen weniger Luxusgüter in Österreich

18. Februar 2014, 21:54
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Das neue Antikorruptionsgesetz in China verhinderte, dass die Chinesen den Russen den ersten Platz bei den Shopping-Ausgaben in Österreich streitig machten

Wien - Die Russen sind unter den Shopping-Touristen in Österreich noch immer die Nummer eins. Sie gaben hierzulande im Vorjahr mehr als 100 Mio. Euro aus. Auf Platz zwei kommen Reisende aus China, die die Russen aber bald überholen werden, berichtet Global-Blue-Chef Gerd Gfrerer. Global Blue kauft den Ausreisenden an Flughäfen die Rechnungen ab, die Zöllner abgestempelt haben. Der Tourist erhält bis zu 90 Prozent der Erstattungssumme, die ihm zusteht, das Unternehmen den Rest als Gebühr.

Reisende aus China haben in den vergangenen zehn Jahren ihre Einkaufsumsätze im österreichischen Handel mehr als verzehnfacht. Die Schweizer nehmen im Ranking von Global Blue den dritten Platz ein. Wobei die Schweizer in Grenznähe eher Lebensmittel einkaufen, alle anderen Global-Shopper greifen zu Luxusmarken wie Louis Vuitton, Chanel, Gucci, Dior, Hermes, Armani, Rolex oder Omega, sagt Gfrerer.

Zuwächse gab es 2013 auch bei den Gästen aus Katar, den Vereinigen Arabischen Emiraten, Saudi-Arabien und Kuwait. Aufgrund des schwachen Yen-Kurses seien für Japaner hingegen Einkäufe in Europa nicht mehr attraktiv.

Im Finanzministerium heißt es auf Anfrage des Standard, dass die Anträge auf Mehrwertsteuerrückerstattung am Wiener Flughafen im Vorjahr um acht Prozent auf 902.339 gestiegen sind. Deutliche Rückgänge gab es bei den Bargeldanmeldungen: Diese sanken von zuletzt 66 Mio. auf 59 Mio. Euro am Flughafen Wien.

Bargeldanmeldungen

Wer mehr als 10.000 Euro Bargeld bei sich hat und das Geld nicht anmeldet, dem droht ein Finanzstrafverfahren. Die höchsten Bargeldanmeldungen kämen von Reisenden aus Libyen, der Türkei und Ägypten, sagte Roland Karner, Teamleiter beim Zoll am Wiener Flughafen, zum Standard. Bei den 72 Kontrollen wurden zwei Millionen Euro in bar sichergestellt. Das ist deutlich weniger als noch 2012; damals waren es noch fünf Millionen Euro. Zahlen über die Höhe der Mehrwertsteuerrückerstattung gibt es nicht.

Antikorruptionsgesetz

Die Ausgaben der Chinesen waren im Unterschied zu 2012 im Vorjahr leicht rückläufig, was Gfrerer auf ein neues Antikorruptionsgesetz zurückführt. Mitunter werden beim Zoll vor allem bei Politfunktionären Fotos von der teuren Uhr gemacht und der Preis mit dem Einkommen verglichen.

Was die Chinesen, vom Erlebniswert abgesehen, dazu antreibt, um die halbe Welt zu fliegen, um sich in Europa mit teurer Markenware einzudecken: Diese ist nicht gefälscht und günstiger als in Asien. Chinesen etwa kaufen in Österreich um 40 Prozent billiger ein als daheim, weil es in Österreich keine Luxussteuer gibt.

Interessant auch, dass Chinesen ganz genau wissen, was sie kaufen wollen: Das Verkaufsgespräch für eine teure Uhr etwa dauert nur zwei Minuten. Viel mehr Zeit bleibt ihnen auch nicht, wenn sie für die gesamte Wiener Innenstadt nur eine Stunde Zeit zum Besichtigen haben, sagt Gfrerer.

Bei den Reisenden aus Russland sei ein Wandel zu bemerken. Es kämen nicht mehr nur die Superreichen, sondern auch die Mittelschicht. Diese Zielgruppe sei preisbewusster. Die deutlichen Rückgänge bei kroatischen Gästen begründet Gfrerer mit dem EU-Beitritt des Landes im Juli 2013. Damit fallen die Kroaten als Zielgruppe für Global Blue weg.

Weil der Fastenmonat Ramadan heuer am 28. Juni beginnt, erwartet der Global-Blue-Chef ab 29. Juli wieder vermehrt Gäste aus dem arabischen Raum.

Weltweit führen die Reisenden aus China beim Shoppen bereits unter den 15 Top-Nationen, gefolgt von Gästen aus Russland, den USA, Indonesien, Thailand und Japan. (Claudia Ruff, DER STANDARD, 19.2.2014)

  • Der Rückgang der Shoppingausgaben pro Kopf bei chinesischen Touristen liegt auch am seit Anfang Oktober 2013 geltenden Tourismusgesetz in China.
    foto: reuters/carlos barria

    Der Rückgang der Shoppingausgaben pro Kopf bei chinesischen Touristen liegt auch am seit Anfang Oktober 2013 geltenden Tourismusgesetz in China.

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