NSU-Trio soll sieben Wohnungen genutzt haben

18. Februar 2014, 14:38
21 Postings

BKA-Ermittler fasst Anmietungen im Untergrund zusammen - Nicht immer eindeutige Beweise für Zusammenleben

München - Beate Zschäpe, Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt sollen im Untergrund sieben Wohnungen in Chemnitz und Zwickau genutzt haben. Ein Ermittler des Bundeskriminalamtes fasste am 85. Verhandlungstag im Münchner NSU-Prozess die Erkenntnisse über die einzelnen Anmietungen der Quartiere zusammen. Demnach soll das Neonazitrio unmittelbar nach seiner Flucht aus Jena im Januar 1998 zuerst für zwei Wochen bei einem Bekannten in Chemnitz untergekommen sein.

Auch der zweite Chemnitzer Unterschlupf soll die Wohnung eines Gleichgesinnten in Chemnitz gewesen sein. Dort lebten die drei nach Angaben des Ermittlers bis Ende August 1998. Die Wohnung habe Max-Florian B. gemietet, der in dieser Zeit aber zumeist bei seiner Freundin lebte. Erst als diese Beziehung in die Brüche ging, musste erneut eine Wohnung für die drei gesucht werden.

Wohnung um Wohnung

Nach Zeugenaussage des BKA-Ermittlers soll dann erstmals gezielt ein Anderthalb-Zimmer-Apartment über den Namen eines weiteren Bekannten in Chemnitz gemietet worden sein. Allerdings hätte die Unterkunft mit nur 27 Quadratmetern sehr wenig Platz für drei Leute geboten, so dass von Ende April 1999 bis Ende August 2000 erneut eine etwas größere Wohnung in einer Chemnitzer Plattenbausiedlung am Stadtrand gemietet wurde.

Nach Angaben des Zeugen sei der Mitangeklagte André E. diesmal als Mieter aufgetreten. Sein Name und seine damalige Heimatadresse im sächsischen Erzgebirge sollen auf dem Mietvertrag stehen.

Umzug nach Zwickau

Im Sommer des Jahres 2000 sei das Trio nach Zwickau umgezogen und bewohnte nach zwei weiteren Wohnungswechseln ab März 2008 die Wohnung in der Frühlingsstraße 26. Dieses Quartier war am 4. November 2011 in aufgeflogen, nachdem Mundlos und Böhnhardt in ihrem Wohnmobil in Eisenach nach einem Sparkassenüberfall von der Polizei entdeckt wurden.

Beide sollen sich daraufhin erschossen haben. Beate Zschäpe steht im Verdacht, in der Zwickauer Wohnung Benzin angezündet zu haben.

Keine eindeutigen Beweise für Zusammenleben

Auf Nachfrage von Zschäpe-Verteidiger Wolfgang Stahl räumte der Zeuge ein, dass es mindestens für zwei der sieben Wohnungen keine eindeutigen Beweise gebe, dass Mundlos, Zschäpe und Böhnhardt dort gemeinsam gelebt haben. Das würde unter anderem den Zeitraum von Ende April 1999 bis Anfang Juni 2001 betreffen. Der Ermittler erklärte zugleich, dass aber auch keine Hinweise auf weitere Wohnungen gefunden wurden.

Auf mehrfache Intervention der Verteidigung räumte der Zeuge ein, dass er sich für seinen BKA-Vermerk über die vermuteten Wohnungen des Trios vor allem auf Zuarbeiten von Kollegen, auf die Aussagen von Zeugen aber auch auf noch aufgefundene  Mietverträge gestützt habe. Einige dieser Unterlagen konnten im Brandschutz der Zwickauer Frühlingsstraße sichergestellt werden. (Kai Mudra aus München, derStandard.at, 18.2.2014)

Der Text wurde freundlicherweise von der "Thüringer All­gemeinen" zur Verfügung gestellt, da DER STANDARD keinen Platz im Gerichtssaal hat.

  • Beate Zschäpe im türkisfarbenen Pullover dreht den Fotografen den Rücken zu.
    foto: epa/andreasügebert

    Beate Zschäpe im türkisfarbenen Pullover dreht den Fotografen den Rücken zu.

Share if you care.