Anschläge auf Medien: Styria-Betriebsrat appelliert an Montenegro

18. Februar 2014, 14:17
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Es sei "Aufgabe des Staates sicherzustellen, dass sich Journalistinnen und Journalisten völlig ungehindert und frei bewegen können"

Podgorica/Wien - Nach Angriffen auf Journalisten in Montenegro wendet sich jetzt der Betriebsrat der Styria in einem offenen Brief an den Präsidenten Filip Vujanovic und Ministerpräsidenten Milo Djukanovic und fordert darin "nicht nur mit Worten der Betroffenheit und des Bedauerns Übergriffe gegen freien Journalismus zu kommentieren, sondern konkrete Taten zu setzen, um dieses Klima zu ändern". Es sei "Aufgabe des Staates sicherzustellen, dass sich Journalistinnen und Journalisten völlig ungehindert und frei bewegen können und ihre anspruchsvolle Arbeit erledigen, ohne dabei Angst vor Repressalien welcher Art auch immer haben zu müssen." (red, derStandard.at, 18.2.2014)

Offener Brief im Wortlaut

"Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrter Herr Ministerpräsident!

Es sind nun einige Wochen seit dem tätlichen Übergriff auf eine montenegrinische Journalistin und einem Sprengstoffattentat auf das Redaktionsgebäude der Tageszeitung "Vijesti" vergangen, an der auch der österreichische Styria-Konzern eine Beteiligung hält. Am 13. Februar hat es erneut einen Anschlag gegeben, diesmal einen Brandanschlag auf ein Dienstauto von "Vijesti". Mittlerweile gibt es Dutzende solcher Anschläge auf Medien und/oder deren Mitarbeiter.

Als Konzernvertretung der Styria Media Group AG haben wir uns in den vergangenen Tagen einen Überblick über die Situation verschafft, unter welchen Journalisten in Montenegro alltäglich arbeiten. Wir haben dabei feststellen müssen, dass trotz einer vergleichsweise breiten Berichterstattung auch in internationalen Medien nach den jüngsten Vorfällen sich die Lage für den Journalismus in Ihrem Land nicht gebessert, sondern weiter zugespitzt hat. Die Arbeit in Medien ist nach wie vor gekennzeichnet durch Angst vor Repressalien, viele fürchten um ihre körperliche Unversehrtheit. Es herrscht ein Klima vor, in dem sich ein kritischer und lebhafter Journalismus nicht entfalten kann.

Kritischer Journalismus ist, wie Sie wissen, nicht das Salz in der Suppe, sondern die Grundessenz einer funktionierenden Demokratie. Zur Garantie von Grundrechten gehört auch, dass Journalisten sich in ihrer Arbeit ungehindert frei entfalten können und dabei die Sicherheit haben, dies unter einem rechtsstaatlichen Schutzschirm und ohne jegliche Art von Gefährdung tun zu können.

Die Freiheit der Medien, die Freiheit jedes einzelnen Medienmitarbeiters, ist Gradmesser für die Freiheit innerhalb eines politischen Systems. Und es sind solche Grundwerte, die Eckpfeiler in der europäischen Wertegemeinschaft sind. Ihr Land verhandelt derzeit gerade über einen Beitritt zur Europäischen Union. Es ist selbstverständlich, dass ein solcher nur möglich ist, wenn die Menschenrechte hoch gehalten werden. Die Freiheit der Medien ist Versprechen und Garantie, dass die freie Meinungsäußerung erwünscht und für jeden Staatsbürger möglich ist.

Die Konzernvertretung des Styria-Konzerns erwartet daher, nicht nur mit Worten der Betroffenheit und des Bedauerns Übergriffe gegen freien Journalismus zu kommentieren, sondern konkrete Taten zu setzen, um dieses Klima zu ändern. Es ist Aufgabe des Staates sicherzustellen, dass sich Journalistinnen und Journalisten völlig ungehindert und frei bewegen können und ihre anspruchsvolle Arbeit erledigen, ohne dabei Angst vor Repressalien welcher Art auch immer haben zu müssen.

Konzernbetriebsrat, Styria Media Group AG"

Nachlese

Wieder Dienstwagen einer Zeitung in Montenegro in Brand gesetzt

Montenegro: Printmedien protestierten für Pressefreiheit - "So sieht Ihr Recht auf Information aus, wenn diejenigen, die sie informieren, Repression ausgesetzt sind"

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