Heimische Uni-Forscher verdienen im EU-Vergleich überdurchschnittlich viel

18. Februar 2014, 13:52
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Einnahmen bleiben aber deutlich hinter USA zurück

Wien - Die Bruttogehälter der Forscher an österreichischen Universitäten liegen (kaufkraftbereinigt) deutlich über dem EU- und dem OECD-Schnitt. Der Abstand zu jenen Ländern, in denen die Unis weltweit die höchsten Gehälter bezahlen, ist allerdings erheblich - so wird etwa in den USA deutlich mehr gezahlt, wie eine Studie des Wirtschaftsforschungsinstituts (Wifo) zeigt.

Für ihre Arbeit werteten die Wifo-Forscher Andreas Reinstaller und Fabian Unterlass unter anderem Daten einer im Auftrag der EU-Kommission durchgeführten Studie aus, in der für 46 Länder eine Palette von gehaltsrelevanten Dimensionen untersucht wurde, die im internationalen Wettbewerb um Talente eine Rolle spielen. Die Länder umfassten die EU-Staaten (ohne Malta und Slowakei) und Drittländer wie etwa Norwegen, Russland, Schweiz, Brasilien, China, Israel, Japan, Singapur, Südkorea und die USA.

Der Schwerpunkt der Erhebung lag auf Positionen, die dem universitären Karrieremodell am ehesten entsprechen, wobei vier Gruppen unterschieden wurden: "First Stage Researcher" (Doktoratsstudierende), "Recognised Researcher" (Doktoratsabsolventen ohne volle Unabhängigkeit in der Forschung), "Established Researcher" (Forscher mit weitgehender Unabhängigkeit) und "Leading Researcher" (Forscher in leitender Position). Für Österreich wurden mangels anderer Daten die Kollektivvertragsgehälter herangezogen.

Nahe an den Topverdienern in Europa

Selbst wenn man die neuen EU-Staaten außer Acht lässt, sind die Bruttogehälter der heimischen Uni-Forscher überdurchschnittlich: Mit Ausnahme der "Established Researcher" liegen die Gehälter in Österreich in allen Kategorien zwischen fünf und 20 Prozentpunkte näher am bestzahlenden Land als der EU-15-Schnitt, im Vergleich mit dem OECD-Schnitt sogar zwischen fünf und 25 Prozentpunkte. Je nach Karrierestufe erreichen die Löhne zwischen 65 (Established Researcher) und 80 Prozent (Recognised Researcher) der weltweit bestzahlenden Länder.

Das Gehaltsniveau in Österreich entspricht in etwa jenem in Deutschland, den Niederlanden und Japan. Innerhalb der EU weisen vor allem Belgien und Zypern erheblich höhere kaufkraftbereinigte Gehälter auf als Österreich, außerhalb der EU vor allem Brasilien, Norwegen, Schweiz und die USA. Die Autonomie der österreichischen Unis insbesondere bei Gehaltsverhandlungen ist übrigens im EU-Vergleich bei Neueinstellung sehr groß und entspricht bei Gehaltserhöhungen und Mindestgehältern weitgehend jener in den USA.

Einschränkung: Ein direkter Vergleich der Bruttogehälter ist wegen der unterschiedlichen Sozialversicherungssysteme, Steuerbelastung, Vertragsbedingungen etc. "nur bedingt sinnvoll", schreiben die Wifo-Autoren. Tendenziell dürfte der auf dem monetären Gehalt basierende Vergleich "zuungunsten Österreichs nach unten verzerrt sein".

EU-Forschergehälter "geringer als in Drittländern"

In einer weiteren Studie analysierte daher Peter Huber (Wifo) anhand standardisierter Forscherprofile Entlohnungs- und Anreizstrukturen in der Uni-Forschung. Dabei stellte er unter anderem fest, dass die Nettogehälter der Forscher in den meisten EU-Ländern sowohl für Jung- als auch für erfahrene Forscher aufgrund der höheren Steuern und Sozialabgaben "durchwegs geringer als in Drittländern" sind. Dieser Nachteil werde aber durch deutlich bessere Sozialleistungen kompensiert.

Neben den regulären Gehaltszahlungen und Sozialleistungen spielen auch noch Bonuszahlungen und freiwillige Zusatzleistungen eine Rolle bei der Entlohnung universitärer Forscher. An EU-Universitäten erhalten Forscher deutlich seltener Forschungsboni als in Drittländern, insbesondere jungen Wissenschaftern werden seltener Forschungskarenzzeiten gewährt. Umgekehrt bekommen erfahrene Forscher in der EU deutlich öfter Unterrichtsprämien. Generell haben in Drittländern leistungsbezogene Einkommensteile für erfahrene Forscher größeres Gewicht als in der EU. Jungforscher können in der EU wiederum einen größeren Teil ihrer Arbeitszeit für Forschung aufwenden, erhalten aber seltener Prämien. (APA, 18.2.2014)

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