Gegengewicht zu Google: Deutsche Presseverleger übernehmen 50 Prozent der VG Media

19. Februar 2014, 13:17
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Verlage wie Springer, Funke Mediengruppe oder Burda wollen damit ihr Leistungsschutzrecht von der Verwertungsgesellschaft wahrnehmen lassen - VÖZ: "Ein wichtiger Schritt" - Verleger wollen Leistungschutzrecht auch für Österreich

Berlin - In Deutschland steigen zwölf Presseverleger als Gesellschafter in die VG Media ein und wollen damit ihr Leistungsschutzrecht von der Verwertungsgesellschaft wahrnehmen lassen und ein Gegengewicht zu Google bilden. Die bisherigen und die neuen Gesellschafter wollen mit diesem Schritt "die Notwendigkeit einer solidarischen Wahrnehmung der Urheber- und Leistungsschutzrechte der privaten Medienunternehmen und deren konsequente Durchsetzung gegenüber unterschiedlichsten Nutzern" unterstreichen.

"Selbst über gewerbliche Verwertung entscheiden"

"Wir haben jetzt die große Chance, selbst über die gewerbliche Verwertung von journalistischen Inhalten zu entscheiden. Dies ist eine wichtige Voraussetzung für die erfolgreiche Gestaltung unserer digitalen Zukunft und zugleich ein Beitrag zur Sicherung von publizistischer Qualität und Vielfalt, auch im Interesse der Journalisten. Axel Springer hat sich für eine Verwertung durch die VG Media entschieden. Wir halten dies für den besten Weg", sagt dazu Axel Springer-Vorstandsvorsitzender Mathias Döpfner.

"Konsequente und kollektive Rechtsdurchsetzung"

Conrad Albert von der ProSiebenSat.1 Media AG: "Als Gründungsgesellschafter begleiten wir seit mehr als zehn Jahren die erfolgreiche Arbeit der VG Media. Wir freuen uns über die Entscheidung der Presseverleger, 50 Prozent der Gesellschaftsanteile an der VG Media zu übernehmen und ihr die Wahrnehmung ihrer Leistungsschutzrechte anzuvertrauen. Im Zeitalter der sich rasant entwickelnden Digitalisierung sind ein möglichst umfangreiches Rechteportfolio und eine breite Gesellschafterbasis für eine konsequente und kollektive Rechtsdurchsetzung der Urheber- und Leistungsschutzrechte der privaten Medienwirtschaft gegenüber international agierenden Infrastrukturbetreibern unerlässlich."

Die neuen VG-Media-Gesellschafter und wer nicht mitmacht

Als neue Gesellschafter der VG Media dabei sind: Aschendorff Medien, Axel Springer, Burda, Evangelischer Presseverband Norddeutschland GmbH, Funke Mediengruppe, Mediengruppe M. DuMont Schauberg, Münchener Zeitungs-Verlag, Presse-Druck und Verlags-GmbH, Rheinisch-Bergische Verlagsgesellschaft mbH, sh:z Schleswig-Holsteinischer Zeitungsverlag GmbH & Co. KG, Verlagsgesellschaft Madsack, ZGO Zeitungsgruppe Ostfriesland. Nicht dabei sind etwa Gruner + Jahr, Spiegel-Gruppe, "FAZ", "Süddeutsche Zeitung", Verlagsgruppe Handelsblatt oder die "Zeit".

Update: Für VÖZ-Geschäftsführer Grünberger "ein wichtiger Schritt"

Der Verband Österreichischer Zeitungen (VÖZ) verfolgt die Entwicklungen in Deutschland jedenfalls mit Interesse. "Der Schulterschluss der deutschen Verlage ist ein wichtiger Schritt, damit Zeitungsverlage Google auf Augenhöhe begegnen können", urteilte VÖZ-Geschäftsführer Gerald Grünberger, schließlich wollen die Verlage "einen fairen Anteil an den Einnahmen, die Suchmaschinen und Aggregatoren mit der Verwertung von Zeitungsinhalten erwirtschaften".

Der VÖZ spricht sich nicht zuletzt für die Einführung eines Leistungsschutzrechtes in Österreich aus. "Denn wir brauchen faire Rahmenbedingungen, damit der österreichische Presse-Sektor bei der Transformation seiner Geschäftsmodelle im Web eine Chance hat, um mit seinen Inhalten Geld zu verdienen", so Grünberger. Im Unterschied zu Deutschland, wo der betreffende Passus "zu schwammig formuliert" sei, hoffe man aber auf mehr Rechtssicherheit. "Das Gesetz muss eine Pflicht zur Vergütung jeglicher gewerblicher Verwendung von Zeitungsinhalten im Internet umfassen."

Langer Rechtsstreit erwartet

Nach einer kontroversen öffentlichen Debatte war das Leistungsschutzrecht für Presseverleger (LSR) in Deutschland vor knapp einem Jahr im Bundestag verabschiedet worden. Das am 1. August 2013 in Kraft getreten Gesetz ermöglicht Verlagen, für die Veröffentlichung von Zeitungsartikeln im Web eine Lizenzgebühr zu erheben. Suchmaschinen dürfen jedoch "einzelne Wörter und kleinste Textausschnitte" lizenzfrei nutzen.

Experten rechnen nun vor allem mit einem langen Rechtsstreit zwischen der VG Media und dem mit Abstand größten Suchmaschinenanbieter Google, da im LSR die Länge der lizenzfreien Snippets nicht exakt geregelt wird. Philipp Justus, Chef von Google Deutschland, hatte kürzlich noch bekräftigt, sein Unternehmen werde kein Geld für die Veröffentlichung von Textausschnitten in die Hand nehmen. Dieser Haltung widersprechen die Verleger wiederum vehement. (red, derStandard.at, 18.2.2014, Update: 19.2./APA) 

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