Vierfachmord in Annecy: Verdächtiger festgenommen

18. Februar 2014, 12:55
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Staatsanwaltschaft: 48-Jähriger in Polizeigewahrsam

Annecy - Seit eineinhalb Jahren sucht die Polizei nach dem Vierfachmörder aus den französischen Alpen - nun ist in Frankreich ein Verdächtiger festgenommen worden. Ein 48-Jähriger, der unweit des Tatorts lebt, wurde am Dienstag in Polizeigewahrsam genommen, wie die Staatsanwaltschaft der ostfranzösischen Stadt Annecy mitteilte.

Es gebe eine "starke Ähnlichkeit" zwischen dem Festgenommenen - einem früheren Stadtpolizisten - und einem Phantombild. Die brutale Tat hatte Anfang September 2012 für Entsetzen gesorgt: Auf einem Waldparkplatz in der Nähe der Ortschaft Chevaline bei Annecy wurden der aus dem Irak stammende Brite Saad al-Hilli, seine Frau Ikbal, deren Mutter und ein laut Ermittlern wohl zufällig vorbeikommender französischer Radfahrer mit Kopfschüssen regelrecht hingerichtet. Die beiden kleinen Töchter der al-Hillis überlebten die Tat, eines der Mädchen wurde aber schwer verletzt.

"Schweigsamer Bergbewohner" und "Waffenliebhaber"

Mehr als ein Jahr nach der Tat veröffentlichten die französischen Behörden im vergangenen November das Phantombild eines Motorradfahrers, der in der Nähe des Tatorts gesehen worden war. Staatsanwalt Eric Maillaud sagte nun, die Festnahme des Mannes sei die Folge von Zeugenaussagen nach der Verbreitung des Bildes. Er betonte aber, es gebe keine "direkte Verbindung" zwischen dem Festgenommenen und den Mordopfern. Es gelte die Unschuldsvermutung. Auch könnte es bald weitere Festnahmen geben.

Bei dem Festgenommenen handelt es sich laut Angaben aus Ermittlerkreisen um einen schweigsamen Bergbewohner und Waffenliebhaber, der wie ein Außenseiter lebe. Am Abend wurde bekannt, dass der Mann früher bei der städtischen Polizei der Gemeinde Menthon-Saint-Bernard gearbeitet hatte, im Juni aber entlassen worden war. Die Polizei durchsuchte am Dienstag das Haus des Mannes in dem nahe dem Tatort gelegenen Dorf Lathuile. In einer anderen Gemeinde wurde im Zuge der Ermittlungen der Garten eines Hauses abgesucht.

Die französischen Ermittler waren bei der Suche nach dem Mordmotiv bisher unter anderem von einem Familienstreit um Geld ausgegangen: Saad al-Hilli hatte mit seinem ebenfalls in Großbritannien lebenden Bruder Zaid Streit um das Erbe des Vaters. Zaid al-Hilli wurde im Juni von der britische Polizei wegen des Verdachts festgenommen, ein Mordkomplott gegen seinen Bruder geschmiedet zu haben. Er wurde aber schnell wieder auf freien Fuß gelassen, im Jänner wurden die Ermittlungen gegen ihn eingestellt.

Industriespionage

Als weiteres mögliches Mordmotiv hatten die französischen Ermittler auch einen Erbstreit mit der im Irak lebenden Familie der al-Hillis genannt. Zudem verwiesen die Ermittler auf mögliche Industriespionage als Mordmotiv. Saad al-Hilli arbeitete als Ingenieur im Luft- und Raumfahrtsektor, der französische Radfahrer für eine Nuklearfirma in Frankreich.

Ermittler sprachen am Dienstag angesichts der Festnahme von einem wichtigen Fortschritt bei den Ermittlungen. Es sei zwar eine "Arbeitshypothese", aber "nicht die Hypothese Nummer eins", dass die Morde von einem Einzeltäter aus der Region aus eigenem Antrieb verübt wurden. Vielmehr werde unter anderem nach einem möglichen Auftraggeber gesucht. (APA, 18.2.2014)

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