"Wir waren bei diesem Spiel nicht dabei"

18. Februar 2014, 20:37
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Österreichs Eishockeyteam verabschiedet sich mit einem 0:4 gegen Slowenien von Olympia und bekommt nun zu hören, das 3:1 gegen Norwegen allzu heftig gefeiert zu haben

Seit Montag schon kursieren zwischen Sotschi und Kranjska Poljana Geschichten über österreichische Eishockeyspieler, die heftig und sehr lange gefeiert haben sollen im Austria Tirol Haus nach dem Sieg über Norwegen. Dort waren sie naturgemäß nicht allein. Der Standard war nicht dabei, aber die Berichte aus den diversen gewöhnlich gut informierten Kreisen fielen einhellig aus. Das 3:1 war prinzipiell auch zu feiern, schließlich eröffnete es die historische Chance, ins Viertelfinale des olympischen Turniers einzuziehen. Doch die Schlussvorstellung im Bolschoi-Eispalast fiel ernüchternd aus. Österreich verlor gegen Slowenien mit 0:4 (0:2, 0:1, 0:1). Die Nachbarn, von denen sich einige in der internationalen Erste Bank Liga vergnügen, dürfen im Viertelfinale gegen Schweden antreten.

Naturgemäß wurden die Spieler nach der schwachen Vorstellung gegen einen Gegner, der sich an sich auf Augenhöhe befindet und der vor Turnierbeginn in einem inoffiziellen Testspiel (ohne NHL-Legionäre) mit 4:1 geschlagen worden war, auf die kolportierte Festivität angesprochen, die normal kein Thema wäre. "Ich glaube nicht, dass die Niederlage damit zu tun hat", sagte Kapitän Thomas Vanek. "Wir waren oben essen und sind mit dem Bus wieder runtergefahren. Über das will ich gar nicht reden."

Er, Vanek, sei überzeugt, dass alle auf die Partie fokussiert waren. "Heute waren wir einfach die schlechtere Mannschaft. Im Großen und Ganzen haben wir uns hier gut verkauft. Ich hätte sicher mehr machen können. Aber allein geht das nicht", merkte der Legionär von den New York Islanders noch an.

Teamchef Manny Viveiros zum Thema: "Ich habe diese Information nicht. Wir haben am Montag in der Früh ein leichtes, kurzes Training gemacht, da war alles in Ordnung. Sie sind alle Profisportler." Viveiros zum Spiel: "Enttäuschend, ich weiß nicht, warum, ich habe keine Antwort. Wir haben nicht das gespielt, das wir gegen Norwegen gespielt haben. Wir hatten kein Feuer. Wir waren bei diesem Spiel nicht dabei. Dafür gibt es keine Entschuldigung. Immerhin waren wir da."

Michael Grabner, wie Vanek ein Islander, der mit fünf Toren und einem Assist als Führender in die Partie gegangen war, warf den Blick auf das Ganze: "Es war viel Spaß dabei, wir haben hart gekämpft. Ich bin stolz auf die Burschen. Natürlich hätten wir uns heute mehr erwartet. Leider ist nichts reingegangen." Grabner hatte seine Chancen, doch die Slowenen waren bei ihren Breaks auch abgesehen von den Toren stets gefährlich. Thomas Raffl von den Philadelphia Flyers: "Sie waren einfach besser."

In Slowenien gibt es 148 lizenzierte Eishockeyspieler. In Österreich, auch keine Großmacht, sind es rund 20-mal so viele. "Aber sie haben sehr gute Spieler", findet Viveiros zu Recht. Anze Kopitar, Sohn von Teamchef Matjaz Kopitar, ragt heraus. 2012 gewann er mit den Los Angeles Kings den Stanleycup, gegen Österreich schoss er das erste Tor.

Am Ende Platz zehn

Viveiros kündigte an, die Mannschaft bis zum nächsten Auftritt zu verjüngen. Der findet im April in Südkorea statt. Es geht um den Aufstieg in die A-Gruppe der WM, aus der das Team im Vorjahr in Helsinki verstoßen wurde - gemeinsam mit Slowenien, das sich ebenfalls um die Rückkehr bemüht. Zwei steigen auf.

Das Olympia-Turnier beendete man schließlig auf Rang zehn vor der Slowakei (11) und Norwegen (12.). Das ist die beste Platzierung seit Calgary 1988, als die Mannschaft von Teamchef Ludek Bukac unter zwölf Teilnehmern Rang neun belegte. Die Schweiz, im Vorjahr bei der WM in Stockholm und Helsinki sensationell Vize-Weltmeister, musste sich mit Rang neun begnügen. (Benno Zelsacher aus Sotschi, DER STANDARD, 18.2.2014 + online update)

Ergebnis vom Eishockey-Turnier der Männer bei den Olympischen Winterspielen in Sotschi am Dienstag:

Viertelfinal-Play-off:

Slowenien - Österreich 4:0 (2:0, 1:0, 1:0). Sotschi, Bolschoi-Arena, 6.821, SR Jackson/Sindler (USA/CZE). Tore: Kopitar (6./PP), Urbas (12./SH), Kovacevic (24.), Mursak (58./EN). Strafminuten: 6 bzw. 10.

Slowenien: Kristan - Pretnar, Kranjc; Robar, Kovacevic; Gregorc, Pavlin; Tavzelj, Podlipnik - D. Rodman, Kopitar, Mursak; Jeglic, Ticar, Sabolic; Razingar, M. Rodman, Urbas; Music, Pance, Golicic

Österreich: Lange - A. Lakos, Trattnig; R. Lukas, Pöck; S. Ulmer, Unterluggauer; F. Iberer, Altmann - Vanek, M. Raffl, Grabner; Th. Raffl, Hundertpfund, Nödl; Latusa, Koch, Lebler; Welser, Oberkofler, M. Iberer

  • Kapitän Thomas Vanek konnte den glanzlosen Abschied auch nicht verhindern.
    foto: apa/fohringer

    Kapitän Thomas Vanek konnte den glanzlosen Abschied auch nicht verhindern.

  • Österreich war Zweiter am Puck.
    foto: apa/epa/smith

    Österreich war Zweiter am Puck.

  • Brian Lebler (links) konnte seine Schusskraft nicht in Tore ummünzen.
    foto: reuters/blinch

    Brian Lebler (links) konnte seine Schusskraft nicht in Tore ummünzen.

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