NSA überwacht Besucher der "feindlichen Website Wikileaks"

18. Februar 2014, 11:27
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Massive NSA-Kampagne gegen Wikileaks, auch Pirate Bay sollte angegriffen werden

Neue Enthüllungen des Whistleblowers Edward Snowden belegen, dass der amerikanische Militärgeheimdienst NSA und sein britisches Pendant GCHQ massiv gegen Wikileaks und dessen Unterstützer vorgingen. Die Website sollte bereits kurz nach ihrer Gründung 2008 als "Feind" und ernsthafte Bedrohung eingestuft werden. Zusätzlich wurde zumindest überlegt, Attacken gegen die Filesharing-Seite "Pirate Bay" durchzuführen, deren Nutzer möglicherweise ebenfalls überwacht wurden. Damit lassen die internen NSA-Dokumente Zweifel an US-Präsident Barack Obamas Aussagen aufkommen, die NSA habe keine US-Staatsbürger überwacht.

Codename Anticrisis Girl

Die geleakte Powerpoint-Präsentation zeigt, dass der GCHQ unter dem Projektnamen "Anticrisis Girl" ein "targeted website monitoring" gegen Wikileaks durchführte. In der Präsentation wurden Datensätze von hunderten Besuchern der Website gezeigt, darunter auch US-Staatsbürger. Der Geheimdienst wäre somit in der Lage, Informanten von Wikileaks zu identifizieren. Momentan ist unklar, wie viele Datensätze abgefragt wurden und ob die Whistleblowing-Website noch immer überwacht wird. Laut "The Intercept" prahlte der GCHQ vor verbündeten Diensten 2012 damit, die Fähigkeit zu besitzen, IP-Adressen von Wikileaks-Besuchern in Echtzeit zu speichern, ebenso auch die Suchbegriffe, mit denen die Website via Google erreicht wurde.

Assange und dessen "Netzwerk" im Visier

Die jetzt von Snowden zur Verfügung gestellten Dokumente belegen außerdem, dass die NSA das "menschliche Netzwerk" rund um Wikileaks-Gründer Julian Assange ins Visier genommen hat. Es ist unklar, wie eng das Netzwerk definiert ist, laut "The Intercept" könnten damit potenziell tausende Personen gemeint sein, die für Wikileaks gespendet, ehrenamtlich gearbeitet oder sich auch nur argumentativ in Chaträumen oder Websites auf die Seite von Wikileaks geschlagen haben. Zusätzlich könnten auch Journalisten, die über Wikileaks berichteten, überwacht worden sein.

Wikileaks dank Kooperation mit "New York Times" schwer angreifbar

Eine offizielle, strafrechtliche Verfolgung von Wikileaks und Assange hätte die US-Regierung aufgrund von dessen Zusammenarbeit mit mehreren hochrangigen Medienhäusern vor große Probleme gestellt: Wäre Assange aufgrund der Veröffentlichung sensibler Daten angeklagt worden, hätte man auch gegen die "New York Times" prozessieren müssen. Zusätzlich sollen US-Behörden nicht in der Lage gewesen sein zu beweisen, dass Wikileaks-Enthüllungen tatsächlich zum Tod von US-Einsatzkräften oder Verbündeten geführt hatten.

NSA: Wikileaks als "böswilliger ausländischer Akteur"

Die NSA befragte daraufhin ihre Anwälte, ob Wikileaks als "malicious foreign actor", also als böswilliger ausländischer Akteur, eingestuft werden könne. Dann hätte man weniger Rücksicht auf US-Bürger, die prinzipiell nicht von der NSA überwacht werden dürfen, nehmen müssen. Welche Antwort die NSA-Rechtsabteilung gab, geht aus den geleakten Dokumenten nicht hervor; allerdings können Daten über US-Bürger vom britischen GCHQ an die NSA übermittelt worden sein.

NSA wollte Pirate Bay überwachen

Weiters wurde gefragt, ob ausländische Server, die auch von US-Bürgern genutzt würden, attackiert werden könnten. Die Rechtsabteilung gab grünes Licht, was potenziell Angriffe beispielsweise auf die Filesharing-Website Pirate Bay ermöglicht. Der Überwachungsexperte Julian Sanchez gegenüber "The Intercept": "Die Aussagen, nur 'ausländische' Akteure könnten durch die NSA überwacht werden, wird etwas seicht, wenn ganze Websites oder Onlineforen als 'Akteur' definiert werden können." Zusätzlich zeigen die Dokumente, dass die NSA Mitglieder des Hackernetzwerkes Anonymous attackieren wollten. (fsc, derStandard.at, 18.2.2014)

  • Julian Assange und dessen "Netzwerk an Unterstützern" im Visier von NSA und GCHQ.
    foto: reuters/luke macgregor

    Julian Assange und dessen "Netzwerk an Unterstützern" im Visier von NSA und GCHQ.

  • Seit Juni 2012 hält sich Julian Assange in der Botschaft von Ecuador in London auf.
    foto: apa

    Seit Juni 2012 hält sich Julian Assange in der Botschaft von Ecuador in London auf.

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