"Wenn alle nach unten justieren, werden Marktanteile frei"

Chat3. März 2014, 10:59
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Michael Fleischhacker im Chat über die Zukunft der Medien, Bezahlmodell, Ausbildung und welche Geschichten ihn in letzter Zeit überrascht haben

"Viele von uns - ich muss mich da einschließen - haben zu lange nicht ernstgenommen, was bei den Usern an Änderung in Verhalten und Informationsbedürfnis passiert. Und wir haben uns nach dem Platzen der Dotcom-Blase noch einmal in Sicherheit gewiegt“, sagt Ex-"Presse"-Chefredakteur Michael Fleischhacker im derStandard.at-Chat. In Österreich komme dazu, dass "wegen der Abermillionen, die von der Politik in den damit nicht mehr existierenden Markt gepumpt werden, der Leidensdruck künstlich gering gehalten wurde und wird. Wäre Österreich ein Medienmarkt, würde es etliche Medienunternehmen nicht mehr geben." In Österreich hätten die politischen Rahmenbedingungen lange dazu beigetragen, das Strukturproblem der Medien zu verschleiern. "Das wird sich rächen."

Er teilt den Eindruck von User "byron sully“, dass Zeitungen einander immer ähnlicher würden und Online immer mehr das mehr das bloße Kopieren von APA-Meldungen dominieren würde. Fleischhacker: „Den größten Anteil an dieser Entwicklung hat vermutlich das Kleinerwerden der zur Verfügung stehenden Ressourcen. Andererseits: Wenn alle nach unten justieren, werden Marktanteile frei. Wer sich jetzt traut, aus dem Wenigen, was er an Ressourcen hat, wenige außergewöhnliche Dinge zu produzieren, könnte viel gewinnen."

Fleischhacker zur Journalismusausbildung: Ein Fachstudium plus Journalismus-Master wäre die ideale Kombination. Journalismus-Bachelor finde ich eher nicht so sinnvoll ehrlich gesagt".

Digitale Bezahlmodelle für Zeitungen würden sich durchsetzen glaubt er. Fleischhacker: Der Journalismus werde, "wenn er auch eine wirtschaftliche Basis finden will, viel stärker als heute von inhaltlichem Spezialistentum leben. Das Print-Geschäftsmodell lautete: Bezahlt wird für ein möglichst breites Angebot an "general interest", darum gibt es seit 40 Jahren jeden Monat einen neuen Teil in der Zeitung. Das digitale Geschäftsmodell (auch wenn es ‚eines‘ nicht gibt) lautet: Bezahlt wird für möglichst nicht substituierbaren 'special interest‘-Inhalt, ‚general interest‘ ist gratis und verdient allenfalls durch Reichweite Geld mit Anzeigen." (red, derStandard.at, 3.3.2014)

Moderator-Message: Wir begrüßen Userinnen und User - und Michael Fleischhacker zum Chat. Fleischhacker war bis 2012 acht Jahre Chefredakteur der "Presse", davor bei der "Kleinen Zeitung" und beim STANDARD, präsentiert morgen ein neues Buch, das er einen "Nachruf" auf

Moderator: Wir begrüßen Userinnen und User - und Michael Fleischhacker zum Chat. Fleischhacker war bis 2012 acht Jahre Chefredakteur der "Presse", davor bei der "Kleinen Zeitung" und beim STANDARD, präsentiert morgen ein neues Buch, das er einen "Nachruf" auf die Zeitung nennt. Versteh ich Sie recht, dass Sie die Medienzukunft bei dem sehen, was wir hier gerade machen? Also wenn Sie von - wohl digitalen - "Gesprächsangeboten" schreiben?

ModeratorIn: Moderatorenfehler - jetzt sollt auch antworten funktionieren :)

Michael Fleischhacker: Ungefähr so, ja. Die Freudlichkeiten im Vorfeld dieser kleinen Familienveranstaltung inbegriffen.

ModeratorIn: Laut Ihrem Buch sollten die Anbieter für diese Gesprächszirkel Geld verlangen. Wieviel würden Sie für unser Gesprächsangebot hier ansetzen?

Michael Fleischhacker: "Gesprächsangebot" meint nicht unbedingt nur Gesprächssituationen wie diese. Es soll vor allem eine neue Art von Verhätltnis zum Publikum beschreiben im Unterschied zum Verkündigungsjournalismus der vergangenen Jahrzehnte. Tatsächliche interaktive Formate sind nur ein Teil davon.

ModeratorIn: Ich versuch's nochmal: Wie vergebührt man diese Gesprächsangebote im weiteren Sinn aus Ihrer Sicht sinnvoll?

Michael Fleischhacker: Das hängt davon ab, um elche Marke es sich handelt, wie groß das Publikum ist, welche speziellen Inhalte Teil dieses Angebots sind, die nirgendwo sonst gratis abrufbar sind. Eigentlich geht es darum, den Begriff "Abonnement" neu zu verstehen: Nicht als Vertrag, dier die Zustellung eines Packens Papier zu einem bestimmten Zeitpunkt an einem bestimmten Ort regelt, sondern als Gesamtentgelt für den Zugang zu dem, was eine journalistische Organisation leistet und leisten kann.

ModeratorIn: Wie definieren Sie diese Leistung journalistischer Organisationen?

Michael Fleischhacker: Das reicht vom Text bis zum Workshop, von der Grafik bis zum Buch. Die Produktion von Nachrichten im klassischen Sinn eher nicht. Das werden dauerhaft nebenan die Öffentlich-Rechtlichen gratis anbieten.

UserInnenfrage per Mail: Ihre Lieblingszeitung? International gesehen?

Michael Fleischhacker: Derzeit die NZZ.

ModeratorIn: Sie sollen den neuen, aus Graz stammenden Konzernchef der „Neuen Zürcher Zeitung“ Veit Dengler mit Vorschlägen für Auslandsexpansion zumindest mit inspiriert haben für das, was er nun bei der „NZZ“ vorbereitet.

Michael Fleischhacker: Hab ich auch schon gehört, das Gerücht. Satnd angeblich auf etat.at

ModeratorIn: Sie haben nach der „Presse“ an einem Konzept für ein Onlinemagazin gearbeitet, eine ökonomische Machbarkeitsstudie für ein Medium im Zeichen der Zahl Sieben, wie man hört. Etwa mit sieben prominenten Journalisten/Kolumnisten. Was wurde daraus?

Michael Fleischhacker: Die Idee gab und gibt es, sogar eine Art Prototyp, aber der Weg der Verwirklichung ist noch unklar.

ModeratorIn: Wie fiele denn Ihre wirtschaftliche Machbarkeitsstudie für eine "NZZ Österreich" aus – a) gedruckt und b) digital?

Michael Fleischhacker: Sollte ich einen Auftrag für eine solche Machbarkeitsstudie kriegen, würde ich die Ergebnisse zuerst dem Auftraggeber mitteilen, sorry ;-) Aber prinzipiell würde ich jedem davon abraten, zuerst ein Printprodukt in den Markt zu setzen und dann zu schauen, was man digital draus machen kann. Wird wohl eher nur umgekehrt funktionieren.

ModeratorIn: Eine "NZZ"-Plattform für Deutschland aufzubauen würde Sie reizen?

Michael Fleischhacker: Alles, was in der Zusammenarbeit mit einer Marke wie der NZZ (oder FAZ, oder DIE ZEIT etc) entsteht, muss einen Journalisten, der im Qualitätsbereich arbeiten möchte, reizen. Ob in Deutschland, in der Schweiz oder in Österreich, spielt dabei nur eine untergeordnete Rolle.

ReSzAT80: Wie sehen Sie die "Buzzfeedisierung" der Medien - ein temporäres Phänomen oder ein langfristiges Übel?

Michael Fleischhacker: Die dritte Möglichkeit wäre demnach: Ein temporäres Übel und ein langfristiges Phänomen, oder? Ich denke, der Trend, Inhalte eher zu aggregieren als teuer selbst herzustellen, wird noch eine Weile anhalten.

UserInnenfrage per Mail: Via Twitter: Nachdem gerade auch konventionellere mediale Plattformen sich Buzzfeedformate (Die 10 besten...etc ) annehmen. Was kann qualitativer Journalismus 2.0 über das Kopieren dieser Muster hinaus dazu beitragen?

Michael Fleischhacker: Er kann es zum Beispiel ignorieren. Die meisten entscheiden sich aber dazu, es per Ironisierung zu nutzen. Auch in Ordnung, aber in bisserl feig, finde ich.

Grünbewertungssüchtig: Ist Ihrer Meinung nach die Zukunft der klassischen Zeitung irgendwo zwischen gratis Medium in Ubahn und Co. und Teaser für den immer breiter aufgestellten Onlineauftritt?

Michael Fleischhacker: Meiner Meinung nach wird die "klassische Zeitung" - was genau wir damit meinen, sollten wir eventuell noch klären - mittelfristig eher nicht mehr existieren.

prosto: in Ihrem buch ist ein mindestens ein komma zuviel. seite 23, zeile 5. kein schmäh.

Michael Fleischhacker: Wenn das der einzige Fehler ist, haben Sie ein Getränk gut.

UserInnenfrage per Mail: Werden sich in Österreich Bezahlmodelle für Zeitungen irgendwann durchsetzen?

Michael Fleischhacker: Ich nehme an, Sie meinen digitale Bezahlmodelle für Zeitungen (Print gibt es sie ja noch): Ja, werden sich durchsetzen.

UserInnenfrage per Mail: Was raten Sie Menschen, die Journalisten werden wollen?

Michael Fleischhacker: Ich rate ihnen, es dann auch zu werden. Am Besten nach Absolvierung eines Fachstudiums.

UserInnenfrage per Mail: Wie sehen Sie Journalismus der Zukunft?

Michael Fleischhacker: Große Frag. Ich denke, er wird, wenn er auch eine wirtschaftliche Basis finden will, viel stärker als heute von inhaltlichem Spezialistentum leben. Das Print-Geschäftsmodell lautete: Bezahlt wird für ein möglichst breites Angebot an "general interest", darum gibt es seit 40 Jahren jeden Monat einen neuen Teil in der Zeitung. Das digitale Geschäftsmodell (auch wenn es "eines" nicht gibt) lautet: Bezahlt wird für möglichst nicht substituierbaren "special interest"-Inhalt, "general interest" ist gratis und verdient allenfalls durch Reichweite Geld mit Anzeigen.

UserInnenfrage per Mail: Krise und Medien: Was haben Medien selber falsch gemacht, was ist der allgemeinen Krise geschuldet?

Michael Fleischhacker: Viele von uns - ich muss mich da einschließen - haben zu lange nicht ernstgenommen, was bei den Usern an Änderung in Verhalten und Informationsbedürfnis passiert. Und wir haben uns nach dem Platzen der Dotcom-Blase noch einmal in Sicherheit gewiegt. Und in Österreich kommt dazu, dass wegen der Abermillionen, die von der Politik in den damit nicht mehr existierenden Markt gepumpt werden, der Leidensdruck künstlich gering gehalten wurde und wird. Wäre Österreich ein Medienmarkt, würde es etliche Medienunternehmen nicht mehr geben.

ModeratorIn: 2012 haben Sie dem Mutterkonzern Styria ein offenbar recht radikales Konzept für "Presse" und "Wirtschaftsblatt" vorgeschlagen – was hatten Sie denn vor, dass sich die Styria nicht anschließen wollte?

Michael Fleischhacker: Ich hatte vor, meine eigenen Fehler zu korrigieren und die Redaktion - damals war daran gedacht, aus "Presse" und "Wirtschaftsblatt" einen Newsroom mit etwa 150 Journalisten zu kombinieren - auf ein digitales Modell umzustellen, das dennoch zwei Printtitel produzieren kann. Die Eigentümer wollten aber eine Fusion nicht. Wollen sie ja heute auch noch nicht, wie ich lese. Sie sind also konsequent, das muss man respektieren.

temohpab: Hat twitter das journalistische Arbeiten verändert? Wenn ja, wie? Und wenn nein, warum nicht hat es nichts verändert?

Michael Fleischhacker: Kommt drauf an, wie man Twitter nutzt. Ich nutze es wie eine Art clipping-service und nebenbei zur Regulierung meines Adrenalinhaushaltes, indem ich einigen österreichischen Kollegen folge.

princeps legibus solutus: ein interessierter leser konsumiert heute schnell einmal ein dutzend onlinemedien pro tag. auch wenn die nutzer in ihrer mehrheit bereit wären, für inhalte zu bezahlen, kann man davon ausgehen, dass sie sich nicht für jedes medium ein abo kaufen wür

Michael Fleischhacker: Viele halten es für wünschenswert, dass sich auch für die Medienbranche so etwas entwickelt, wie es Apple mit iTunes für die Musikbranche gebaut hat. Das Stichwort lautet "Unbundling". Ich würde eher vermuten, dass sich durch die Bündelung von lesenswerten Inhalten in einer fixen Konfiguration (vielleicht so etwas wie "Blogwolken") mehr ereichen lässt. Vermutlich wird es aber irgendwann beides geben. Interessant ist jedenfalls, dass sich immer Mehr Menschen auf der Suche nach digitalen Inhalten von einem Thema leiten lassen und immer weniger Menschen von einer Marke. Da muss den Marken etwas einfallen.

Krickente: Tippen Sie mit dem Adlersuchsystem oder hängt meine Internetverbindung? ;)

Michael Fleischhacker: Ich nehme mal an, es ist ein bisserl was von Beidem. Jedenfalls tippe ich selber, ja. Diktieren liegt mir nicht so ;-)

gueldensternn: Für welche journalistischen Online-Inhalte werden User bezahlen (wollen)? Für Nachrichten ja eher nicht.

Michael Fleischhacker: Generell: Für Wissen. Mein Plädoyer für eine dialogischere Art des Journalismus meint nicht die pseudoegalitären Phantasien, dass die User ja auch mindestens so klug sind wie die Journalisten und sich deshalb ihr Medieum selber machen. Bezahlen werden wir immer nur für Dinge, die Leute machen, denen wir zutrauen, dass sie mehr wissen als wir.

UserInnenfrage per Mail: Apropos Bezahlmodelle: Welches Online-Medium in Österreich trauen Sie am ehesten zu, dass es mit Paid Content erfolgreich sein könnte?

Michael Fleischhacker: Ich fürchte, die bestehenden Web-Portale der etablierten Marken werden es eher nicht schaffen (manche, die mit Reichweite erfolgreich sind wie derstandard.at, werden das vielleicht ja auch gar nicht wollen). Da müssen wir was Neues machen.

UserInnenfrage per Mail: Sie würden also reguläres Studium und nicht Journalismus-FH empfehlen?

Michael Fleischhacker: Ich möchte Journalismus-FH nicht als irreguläres Studium denunzieren. Aber ja, ich denke, ein Fachstudium plus Journalismus-Master wäre die ideale Kombination. Journalismus-Bachelor finde ich eher nicht so sinnvoll ehrlich gesagt.

UserInnenfrage per Mail: Würden Sie Ihren Kindern raten, in den Journalismus zu gehen?

Michael Fleischhacker: Ich würde es ihnen weder raten noch ihnen davon abraten.

UserInnenfrage per Mail: Wie weit haben die politischen Rahmenbedingungen Anteil an der Strukturkrise der Medien?

Michael Fleischhacker: International eher wenig, in Österreich haben sie lange dazu beigetragen, das Strukturproblem zu verschleiern. Das wird sich rächen.

UserInnenfrage per Mail: Sollen Onlinemedien in die Presseförderung einbezogen werden?

Michael Fleischhacker: Ja, ich finde, Onlinemedien sollten in die Abschaffung der Presseförderung jedenfalls einbezogen werden.

UserInnenfrage per Mail: Welche Geschichte in einer Zeitung hat Sie in letzter Zeit so richtig überrascht?

Michael Fleischhacker: Positiv oder negativ überrascht?

Vesta: Zeitung lesen hat - ähnlich wie Bücher lesen - ja auch eine haptische Komponente. Ich würde meine Zeitung ebenso wenig gegen eine E-Reader tauschen wollen wie meine Bücher. Gehöre ich einer zum Aussterben verurteilen Art an? Oder werden sich die Ver

Michael Fleischhacker: Wöchentlich werden Sie sich ja ohnehin noch lange Ihren haptischen Genüssen hingeben können. Auch täglich wird man sich weiter um Sie bemühen - aber die Preise werden eher drastisch ansteigen. Wo liegen Ihre Schmerzgrenzen? Würden Sie 300 Prozent Steigerung bei den Abopreisen akzeptieren?

UserInnenfrage per Mail: Wann wird es die Tageszeitung nur noch am iPad geben?

Michael Fleischhacker: Wäre ich dazu in der Lage, das korrekt vorherzusagen, würde ich diese Information an den Meistbietenden verkaufen und sie nicht hier gratis veröffentlichen. Nur eine Zusatzbemerkung. Wenn "Die Zeitung am iPad" die Fortsetzung der gegenwärtigen ePaper-Kultur meint, wird das auch noch eine Korrektur erfahren. Da braucht es bald neue Produktformen.

UserInnenfrage per Mail: @meine Frage von vorhin: Welche Geschichte hat sie positiv, welche negativ überrascht.

Michael Fleischhacker: Negativ überrascht ich jeden Tag die ästhetische Anspruchslosigkeit österreichischer Kommentatoren. Positiv überrascht hat mich zuletzt Matthäus Kattinger in der NZZ mit seiner Hypo-Alpe-Adria-Analyse. Mir war nicht klar, dass man eine ganzseitige Analyse auch auf dem mobilen Schirm problemlos zu Ende liest, wenn sie gut ist.

oldie: warum Twittern und blödeln hauptsächlich Journalisten, wo sie ihre sehr kritischen Statements z.B. über Politiker abgeben, aber in der Öffentlichkeit schweigen.

Michael Fleischhacker: Stimmt, das ist arg. Noch schlimmer wäre nur, wenn sie auch in der Öffentlichkeit nicht schweigen würden.

byron sully: meiner wahrnehmung nach werden zeitungen einander immer ähnlicher – sowohl von der politischen ausrichtung her (eine linke tageszeitung z.b. gibt es heute in österreich nicht) als auch von aufbau, optik, stil usw. her. und im online-bereich scheint

Michael Fleischhacker: Ich teile Ihren Eindruck. Den größten Anteil an dieser Entwicklung hat vermutlich das Kleinerwerden der zur Verfügung stehenden Ressourcen. Andererseits: Wenn alle nach unten justieren, werden Marktanteile frei. Wer sich jetzt traut, aus dem Wenigen, was er an Ressourcen hat, wenige außergewöhnliche Dinge zu produzieren, könnte viel gewinnen.

KomaPoster: Ich bin über 50 und lese (muss lesen) seit Jahrzehnten die immer gleichen Kommentatoren/Journalisten. Wird der Journalistenachwuchs nicht blockiert und finden sie nicht auch, das es eine gewisse Überalterung der schreibenden Zunft gibt?

Michael Fleischhacker: Auch das hat viel mit der wirtschaftlichen Situation zu tun: Wenn gekürzt werden muss, trifft es aus arbeitsrechtlichen Gründen in der Regel eher die jüngeren, nicht nicht Etablierten.

buntstift: Welche Rolle sollen die Leser/User einer Zeitung Ihrer Meinung nach in Zukunft einnehmen? Was halten Sie z.B. von Bewertung von Artikeln wie es im Standard-Forum häufig gefordert wird? Ist diese ständige "Überwachung" für den Journalismus fördernd o

Michael Fleischhacker: Mir ist sie ziemlich egal.

hknet: Gibts noch Raum für neue Printprojekte, die Dir "auf der Zunge" liegen oder vermutlich weitere Konsolidierung und nur kleine Nischen?

Michael Fleischhacker: In Österreich gibt es glaube ich Lücken im Bereich des wöchentlichen Qualitätsjournalismus.

Mirabeau: Wie kommt es, dass, obwohl die EU für einen großen Teil der Gesetzesmaterien verantwortlich ist, die Berichterstattung in den österreichischen Medien über diesen Gesetzwerdungsprozess praktisch nicht vorhanden ist? Ähnelt die EU nicht in gewisser We

Michael Fleischhacker: Das hat wohl in erster Linie mit Sprache zu tun. Würde in jedem zweiten amerikanischen Bundesstaat eine andere Sprache gesprochen, sähe die Medienlandschaft dort auch anders aus.

UserInnenfrage per Mail: Welche Überlebenschancen räumen Sie „News“ ein?

Michael Fleischhacker: Der Gruppe oder dem Magazin?

carpevitam: warum sind Sie Journalist geworden?

Michael Fleischhacker: Weiß ich nicht mehr. Irgendwann war ich es dann und seitdem möchte ich nichts Anderes machen.

ModeratorIn: Sie haben lange bei "Kleine" und "Presse" für die von Horst Pirker geprägte Styria gearbeitet. Was erwarten Sie von ihm als Chef der Verlagsgruppe News? Was kann er aus Ihrem Buch lernen

Michael Fleischhacker: Ich erwarte von ihm, dass er die kleine Chance, die dort noch am Leben ist, nutzen wird. Ob er aus meinem Buch etwas lernen kann, weiß ich nicht. Das entscheidet ja nicht der Autor, sondern der Leser.

temohpab: gibt es straßenzeitungen die sie gern lesen(MO, augustin, uhudler, globalplayer)?

Michael Fleischhacker: Der Augustin ist die einzige, die ich einigermaßen regelmäßig lese.

UserInnenfrage per Mail: Werden Gratiszeitungen wie "Heute" oder "Österreich" überleben?

Michael Fleischhacker: Wenn sich die österreichische Politik langfristig gegen die Etablierung eines Medienmarktes entscheidet, vielleicht schon.

princeps legibus solutus: zur rekrutierung des personals: sollte man sich da nicht einmal etwas überlegen? der durchschnittliche journalist ist studienabbrecher oder hat eine journalismuschule besucht und wird dann - ohne irgendwelche erfahrungen oder fachwissen zu haben - i

Michael Fleischhacker: Nicht ganz so schlimm wie Sie, denn meine Erfahrungen mit vielen Bewerberinnen für die "Presse"-Lehrredaktion zeigen, dass es auch viele talentierte Spezialisten gibt, die über solche Programme oder einen Journalismus-Master zu perfekten Journalistinnen werden können. Ihnen gehört die Zukunft.

ModeratorIn: Herzlichen Dank für Ihre vielen Fragen und Kommentare - und an Michael Fleischhacker für's Diskutieren. Mittwoch geht's im Chat von derStandard.at/Etat um den Presserat und die Fälle des Jahres 2013.

Michael Fleischhacker: Ich habe zu danken. War wirklich überraschend freundlich, der Ton.

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