Goldanleger hoffen auf China

18. Februar 2014, 17:44
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2013 wurde so wenig Gold nachgefragt wie seit vier Jahren nicht mehr. Finanzinvestoren haben ausgelassen, dafür ist China zum größten Goldimporteur geworden

Wien - 2013 war ein Annus horribilis für Goldinvestoren. Der Preis für eine Feinunze fiel um 28 Prozent, der höchste Jahresverlust seit über 20 Jahren. Die Goldnachfrage ist 2013 um 15 Prozent zurückgegangen. Mit 3756 Tonnen wurde so wenig von dem Edelmetall für Schmuck, Wertanlage oder Spekulation nachgefragt wie seit vier Jahren nicht. Das zeigen Daten des World Gold Council (WGC), einer Lobbyvereinigung der Goldminenindustrie.

Dabei haben sich die Spieler auf dem Goldmarkt deutlich gewandelt. Gehörten Finanzinvestoren wie Hedgefonds jahrelang zu wichtigen Käufern des Edelmetalls über Produkte wie börsengehandelte Fonds (ETFs), haben sie 2013 massiv verkauft. 881 Tonnen haben die ETFs wieder auf die Märkte gewonnen, insgesamt ist die Investmentnachfrage um über 50 Prozent zurückgefallen.

Dafür haben private Käufer, etwa aus China, kräftig zugegriffen. Das asiatische Land importierte 2013 knapp 1066 Tonnen Gold, weil chinesische Konsumenten um knapp ein Drittel mehr Barren und Schmuck nachfragten. China löste dabei Indien erstmals seit Jahrzehnten als wichtigster Importeur von Gold ab.

Hoffnung

Beim World Gold Council und auch bei einigen Anlegern macht sich die Hoffnung breit, dass China weiter Rückenwind für den Goldpreis bereitstellen könnte. Marcus Grubb, Direktor beim WGC, bestätigte am Dienstag "bemerkenswert hohe Nachfrage" in China. Zudem zeigen Daten der Behörde CFTC, dass Großanleger seit Dezember ihre Wetten auf den Goldpreis mehr als verdoppelt haben. Doch auch nach dieser Rückkehr ist man weit von den großen Wetten der Vorjahre entfernt, als Hedgefondsmanager angeführt von John Paulson Milliarden an Dollar in die Anlageklasse investierten. Der Goldpreis ist seit Jahresbeginn zudem um knapp acht Prozent gestiegen, auf rund 1300 Dollar je Feinunze.

Laut Julian Jessop, Rohstoffökonom bei Capital Economics in London, könnten die jüngsten Turbulenzen in einigen Schwellenländern den Goldmarkt unterstützt haben: "Für Haushalte in Schwellenländern bietet Gold in Zeiten von stark fallenden Währungen und steigender Inflation Schutz." Daher könne damit gerechnet werden, dass die Nachfrage nach Gold als "sicherem Hafen" hoch bleiben könnte.

Einen Strich durch die Rechnung könnte aber die US-Notenbank Fed machen. Sie fährt gerade ihr Anleihenkaufprogramm zurück und damit sind seit Mai 2013 die Zinsen der lang laufenden Staatsanleihen gestiegen: "Steigende reale Renditen würden die Nachfrage nach Gold sicher dämpfen", sagt Jessop. (sulu, DER STANDARD, 19.2.2014)

  • 2013 ist die Nachfrage nach Gold kräftig eingebrochen. Gerade Investoren haben bei dem gelben Metall ausgelassen.
    foto: reuters
    2013 ist die Nachfrage nach Gold kräftig eingebrochen. Gerade Investoren haben bei dem gelben Metall ausgelassen.
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