Das coole Grinsen und ein Himmel voller Geigen

18. Februar 2014, 07:26
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Anna Fenninger holt Silber im Riesentorlauf. Nun kommt sie klarerweise aus dem Grinsen nicht mehr heraus

Krasnaja Poljana - "Cool. Es ist einfach nur cool", sagt Anna Fenninger. Kein Wort des Jammers übers hauchdünn Verpasste. Sieben Hundertstel nur lag die Super-G-Goldene nach zwei Riesentorlauf-Durchgängen hinter der goldenen Slowenin Tina Maze zurück, 27 Hundertstel vor der bronzenen Deutschen Viktoria Rebensburg. "Ich bin auch über Silber sehr glücklich, es ist einfach nur cool", sagte die nunmehr doppelmedaillierte Salzburgerin.

Weniger cool fanden, bei objektiv uncoolen, regnerischen Bedingungen, die anderen Österreicherinnen die olympische Angelegenheit. Vor allem Kathrin Zettel, die, nachdem sie sich in den Clinch mit einer Torflagge begeben hatte, als schlechteste der Heimischen auf Rang 19 gelandet war, vertröstet sich in professionellem Pragmatismus: ""Abhaken und auf den Slalom konzentrieren." Elisabeth Görgl wurde Elfte, Michaela Kirchgasser Zwölfte. Und so durfte sich der Fokus des patriotischen Jubilierens auf die eine konzentrieren.

"Der Steilhang", sagt diese, "war der Schlüssel in diesem Rennen. Ich wusste, dass ich riskieren muss. Und es ist mir aufgegangen. Dass sich das noch aufs Stockerl ausgegangen ist, darauf bin ich wirklich stolz." Weil nämlich auch andererseits: "Bei der letzten Zwischenzeit war es sehr knapp. Ich hab mir gedacht: Entweder es soll sein, oder nicht."

Unten, im Zielraum auf Tina Maze wartend, hatte sie nochmals so ein "'s muaß sein und net a"-Erlebnis. "Nach ihrem Steilhang habe ich mir gedacht: 'Uh, das wird noch knapp. Vielleicht geht es sich doch noch aus!'" Aber dann, ja eh: "Aber nein, eigentlich habe ich gewusst, dass sie es heimfährt. Ich war im ersten schon zu weit hinten."

Sie bangte also nicht wirklich, ließ die Silberne noch während der Goldfahrt der Maze "sacken", wie Anna Fenninger das bescheuerte "realisieren" eindeutscht. Süchtig könne sie werden nach dem Gefühl, so eine Medaille umgehängt zu kriegen. Als diese realisiert war, ließ sie sich zur Gesackten fallen.

Ein Grinskrampf

Eine Einheit des Glücksmoments sozusagen, der seit der Super-G-Goldenen dauert, und den sie sich mit Hingabe als Grinsen ins Gesicht schreibt. "Am Abend des Super-G hab ich im G'sicht schon ein bisschen einen Krampf gehabt. Ich glaube, ich bin so eingeschlafen und so munter geworden. Ich bin sehr froh und glücklich, dass der Grinser sich weiterzieht. Ich tue mir schwer, meine Gefühle so zu zeigen, weil ich es noch nicht so kapieren kann. Ich habe es mir schon lange gewünscht, aber es war für mich nie klar, dass es passieren wird."

Anna Fenningers Grinskrampf fände wahrscheinlich am ehesten seinen Ausdruck in der, mit der und durch die Violine einer Vanessa Mae. Die thailändisch-britische Geigenvirtuosin, die unter ihrem Vaternamen Vanakorn am Start war, erfüllte sich "einen Kindheitstraum", nämlich das olympische Dabeisein. Im russischen Regen raste die für Thailand Gestartete resolut auf den letzten Platz, den 67., über den sie sich dennoch freute wie eine Schneekönigin und nicht weniger hutschpferdgleich grinste.

50 Sekunden Rückstand hatte sie aufgerissen auf Tina Maze. Auch unter den anderen Exotinnen hatte sie kein Leiberl. Aber, eben: "Ich habe immer davon geträumt, bei Olympischen Spielen zu starten. Und dass es nach nur sechs Monaten Training klappt, ist unglaublich."

"Total gechillt" ging sie an den Olympiastart, dann freilich: "Zwischenzeitlich habe ich nicht gewusst, wo ich entlangfahren muss. Dreimal wäre ich beinahe gestürzt, aber ich habe es nach unten gebracht und das ist das Wichtigste."

Dort unten hing für Anna Fenninger und die anderen Stockerlerklimmerinnen der Himmel schon voller Geigen.

Dafür aber für die Geigerin voller Skifahrerinnensprüche: "Es war richtig cool." (APA, wei, DER STANDARD, 18.2.2014)

Österreichs Olympia-Medaillengewinne im Riesentorlauf der Damen

SILBER (6):

1952 Oslo: Dagmar Rom
1956 Cortina: Josefine "Putzi" Frandl
1972 Sapporo: Annemarie Moser-Pröll
1992 Albertville: Anita Wachter
1998 Nagano: Alexandra Meissnitzer
2014 Sotschi: Anna Fenninger

BRONZE (3):

1956 Cortina: Thea Hochleitner
1972 Sapporo: Wiltrud Drexel
2010 Vancouver: Elisabeth Görgl

  • Teilen sich die Medaillen auf: Fenninger, Maze und Rebensburg.
    foto: apa/techt

    Teilen sich die Medaillen auf: Fenninger, Maze und Rebensburg.

  • Die erfolgreichen Damen im Vergleich.
    foto: reuters

    Die erfolgreichen Damen im Vergleich.

  • Star-Geigerin Vanessa Mae wurde Letzte mit über 50 Sekunden Rückstand.
    foto: apa/ap/ena

    Star-Geigerin Vanessa Mae wurde Letzte mit über 50 Sekunden Rückstand.

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