Sparen beim Flug ins All

24. August 2003, 20:06
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Heimische Technologien für die Raumfahrt reduzieren Kosten und Aufwand

Je weniger und kleiner, desto besser und billiger. Offenbar war das der Grundgedanke für einige neue Raumfahrttechnologien, die aus Österreich kommen: Die erste europäische Mondsonde Smart-1 fliegt mit einem Ionen-Triebwerk, das im Wesentlichen im Forschungszentrum Seibersdorf entwickelt wurde. Das neuartige Triebwerk braucht für eine Strecke nur ein Zehntel des bisher benötigten Treibstoffs, wenn zum Beispiel ein Wasserstoff-Sauerstoff-Gemisch eingesetzt wurde. Der Tank des Flugkörpers ist also deutlich leichter als bisher - und somit können mehr wissenschaftliche Instrumente mitgeführt werden, wenn die Reise am 3. September mithilfe der europäischen Trägerrakete Ariane 5 losgeht.

Ein Kilogramm Nutzlast in den Orbit transportieren ist freilich nicht gerade billig: Die Kosten liegen derzeit bei 20.000 bis 25.000 Dollar. Da die Raumfahrt heute mehr denn je aufs Geld schaut, arbeitet man weltweit daran, das Strukturgewicht der Transportmittel deutlich zu reduzieren. Magna Steyr Space Technology entwickelt, unterstützt vom Forschungsförderungsfonds (FFF), neue leichtere Treibstoffleitungen für die Ariane 5. Auch an der Unterkühlung von Flüssigwasserstofftreibstoff wird gearbeitet. Im matschigen Zustand verringert sich nämlich sein Volumen um insgesamt 25 Prozent.

Gemeinsam mit der Fachhochschule Wiener Neustadt sucht die Weltraumabteilung des Konzerns auch nach Möglichkeiten, die Lebensdauer von Satelliten zu erhöhen, da diese im All ja großen Temperaturschwankungen ausgesetzt sind. Man entwickelt mikromechanische Thermalkontrollsysteme, die wissen, wann es zu heiß oder zu kalt wird. Sie kühlen daher bei Hitze und wärmen bei Kälte - und zwar nur an jenen Stellen, wo es wirklich notwendig ist. Auch bisher waren Satelliten mit derartigen Systemen ausgerüstet, allerdings konnten sie in Normalgröße die Temperatur nur im gesamten Flugkörper gleichermaßen drosseln oder erhöhen.

Zeit sparen kann schließlich die internationale Raumfahrt mit einer österreichischen Technologie, wenn Ende 2003 der Mars-Lander Beagle II am Roten Planeten aufsetzt, um nach organischem Leben zu suchen. Kameras in den Robotergreifarmen nehmen Bilder auf, die mit einer Software des Grazer Joanneum Research zu digitalen Geländemodellen (Stereo-Visionen) umgewandelt werden. Mit dieser Information soll dann rasch entschieden werden, welche Steine weiter untersucht werden. (pi/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 18. 8. 2003)

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