Lange Heli-Suche nach falschem Alarm

21. August 2003, 14:20
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Nach einem Notruf suchten Retter am Semmering vergeblich nach einem Hubschrauberwrack - Der Fehlalarm ist kein Einzelfall

Wien/Neunkirchen - Stundenlang hielt am Montag ein Hubschrauberabsturz im Semmeringgebiet die Einsatzkräfte auf Trab - bis sich die angebliche Katastrophe als Fehlalarm erwies. Ein Vorgang, der gar nicht so selten ist: In Wien stellen sich über drei Viertel aller Notrufe als falscher Alarm heraus.

Gegen 8.30 Uhr ging am Montag die Meldung bei der Rotkreuz-Leitstelle in Neunkirchen ein. Ein Bahnpassagier schilderte aufgeregt, er habe einen Hubschrauber gesehen, der mit den Rotorblättern eine Felswand gestreift habe und dann abgestürzt sei. Eine Großaktion war die Folge - umso mehr, als andere Zeugen eine Rauchsäule beobachtet und einen Knall gehört haben wollen.

41 Retter suchten in dem unwegsamen Gelände nach dem Wrack, zwei Hubschrauber hielten aus der Luft Ausschau. Gefunden wurde bis Redaktionsschluss nichts, auch bei der Flugsicherung war kein Helikopter als vermisst bekannt.

Ob der Bahn fahrende Anrufer einer Sinnestäuschung erlegen ist oder sich einen schlechten Scherz erlaubt hat, blieb vorerst unklar - der Mann ist verschwunden. Der Missbrauch der Notrufnummern ist aber weiter verbreitet, als man annehmen sollte: Drei von vier Alarmen in Wien bleiben ohne Folge.

"Durchschnittlich 3000 bis 4000 Anrufe am Tag"

"Wir haben durchschnittlich 3000 bis 4000 Anrufe am Tag, daraus resultieren dann 600 bis 700 tatsächliche Einsätze", resümiert Harald Raab von der Wiener Rettung. Zwölf Beamte sitzen dort rund um die Uhr an den Telefonen und müssen schnell entscheiden. "Einerseits gibt es Fälle, wo wir an praktische Ärzte verweisen können - die führen dann nicht zu Einsätzen", schildert Raab. Aber auch nach der Uhrzeit wird gefragt, Pannenhilfe angefordert, und Juxanrufe werden getätigt.

Ähnlich bei der Polizei in Wien. Auch dort führen bis zu 4000 Anrufe unter 133 nur zu 1000 Einsätzen, bestätigt Sprecher Manfred Reinthaler. Ausrücken müsse man aber nach jedem Notruf, der auch nur irgendwie glaubwürdig klingt. Juristisch sei man fast machtlos, da die Polizei aus dem Gesetz gegen "Missbrauch von Notzeichen" ausgenommen sei, bedauert er.

Haftstrafe möglich

In diesem Gesetz aus dem Jahr 1929 wird bis zu einem halben Jahr Haft angedroht, wenn man durch eine falsche Notmeldung den Dienst von Feuerwehr oder Rettung in Anspruch nimmt. Gebrauch machen die Einsatzkräfte allerdings praktisch nie davon.

"Wir haben zwar in unserer Zentrale die Möglichkeit der Rufnummernrückverfolgung, die nutzen wir aber nur, wenn jemand wirklich lästig ist", bestätigt Harald Raab von der Wiener Rettung. Jeder Einzelfall müsse geprüft werden, theoretisch gibt es aber die Möglichkeit, die Kosten des Einsatzes nach einem Fehlalarm zurückzufordern. (Michael Möseneder/DER STANDARD, Printausgabe, 19.8.2003)

In Wien führen drei von vier Anrufen bei Rettung und Polizei schlussendlich zu keinem Einsatz.
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