Pech mit Männern

18. August 2003, 12:40
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Kommentar zur Sprache im Wörterbuch von Daniel Glattauer

Wo ist die Sprache über billige Rollenklischees erhabener als im Wörterbuch? Wo wird den Geschlechtern wertneutraler ihr (gleich) berechtigter Platz zugewiesen? Nehmen wir also den "Langenscheid Deutsch-Englisch, Auflage 2000" zur Hand, und schauen wir, wo wir heute stehen.

Während: "Während er schlief, räumte ich auf." Penner: "Er ist ein richtiger Penner." Prinzip: "Ein Mann mit Prinzipien." Wand: "Bei ihm redet man gegen eine Wand." - Quasi die Kehrseite des Prinzips. Auch das Pech hat zwei Seiten: "Sie hat immer Pech mit den Männern." Aber: "Er hatte das Pech, beide Mitarbeiter zu verlieren." - So ungleich kann Pech verteilt sein.

Perfekt: "Eine perfekte Gastgeberin." Meist: "Sie ist ruhiger als die meisten." Aber: "Er hat am meisten." Andererseits: "Sie spricht am meisten." Und: "Er hat das meiste Geld." Die beiden scheinen zwar wie füreinander geschaffen (vor mindestens 100 Jahren), aber leider kennt er sie noch nicht. - Haben: "Sie ist noch zu haben." - Doch da sie eine perfekte Gastgeberin ist, manchmal ruhig, dann wieder sehr gesprächig, und da sie aufräumt, während er schläft, wird wohl bald einer anbeißen. Wahrscheinlich der Penner mit dem meisten Geld. (DER STANDARD, Printausgabe 18.08.2003)

Von Daniel Glattauer
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