Kampf der "starken Männer"

19. August 2003, 19:32
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Im Palmers-Machtkampf tun sich neue Fronten auf - Die Konzernteilung stockt, manche denken gar über den Verkauf von Anteilen an Dritte nach

Wiener Neudorf - Bei der geplanten Aufteilung des Wäsche- und Immobilienreiches von Palmers stecken die untereinander zerstrittenen Aktionärsgruppen derzeit fest. Der Grund, neben den tief gehenden Ressentiments resultierend aus dem turbulenten Abgang des ehemaligen "Mr. Palmers" Rudolf Humer von der Konzernspitze: Hinter den Kulissen spielt sich nun eine Art Machtkampf der "starken Männer" ab. Dies berichteten dem STANDARD mehrere mit dem Unternehmen vertraute Quellen. Protagonisten sind: Paul Tanos, Unternehmensberater und Ex-Wienerberger-Vorstand, sowie Wolfgang Vanis, der Rechtsanwalt von Christian Michael Palmers (familienintern "CMP" genannt) und der Eigentümerfamilie Wilhelm.

"Auffassungsunterschiede"

Tanos wurde nach der Entmachtung von Langzeitchef Humer im heurigen Frühjahr in die Gremien des verschachtelten Konzerns geholt, um die Strukturen zu ändern und auch die Profitabilität zu verbessern. Doch die Insider behaupten, alle Hebel habe mittlerweile Anwalt Vanis in der Hand. Er ist Partner der Wiener Kanzlei Kuhn/Vanis, die unter anderem auf die Verwaltung von großen österreichischen Privatstiftungen spezialisiert ist.

Tanos bestätigte dem STANDARD auf Anfrage auch, dass es "hie und da Auffassungsunterschiede" mit dem Familienanwalt gebe. Und: "Bei der Aufteilung geht derzeit nichts weiter." Im Herbst werde aber ein neuer Anlauf genommen. "Es ist der richtige Weg." Tanos bestreitet aber, dass er sein Mandat - er ist unter anderem Aufsichtsratschef der "Oberholding" P Beteiligungs-AG - niederlegen werde. "Natürlich sagt man bei Familienstreitigkeiten schnell: ,Es reicht.' Aber ich bin dieses Commitment eingegangen, und dabei bleibt es." Vanis war für den STANDARD urlaubsbedingt nicht für eine Stellungnahme erreichbar.

Gespräche fest gefahren

Besonders verstimmt über den Stillstand ist nun die Aktionärsgruppe um Rudolf Humer, Michael Palmers und Hans Palmers, die wie berichtet Anteile am Unternehmen im Umfang von circa 34 Prozent in eine neue Holding ("P Vermögensverwaltung", PVV) eingebracht hat. Diese Gruppe will im Abtausch gegen diese Anteile unter anderem die Firmen Gerngross, Don Gil sowie die eine oder andere Immobilie herauslösen. Weil die Gespräche aber dermaßen festgefahren sind, spielt die Gruppe bereits mit dem Gedanken, die Palmers-Anteile an Dritte zu veräußern, hört man von PVV nahe stehenden Personen. Damit könnte ein ausländischer Konzern einen Fuß in die Türe beim größten heimischen Textilunternehmen bekommen.

Wie berichtet, hat Humer zehn Klagen gegen Palmers und Palmers-Aktionäre eingebracht - unter anderem auf eine Sonderprüfung in eigner Sache, die von der Palmers-Hauptversammlung abgelehnt wurde, weiters auf die Einhaltung eines Syndikatsvertrages sowie einige "aufklärungsbedürftige Vorgänge". Auch das Wirtschaftsmagazin Trend wurde wegen Berichten über Humer geklagt, die Verhandlung ist im September. (Leo Szemeliker, DER STANDARD Print-Ausgabe, 18.8.2003)

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Palmers

  • Palmers: Fesche Boys und schöne Wäsche. Doch unter der Oberfläche des Konzerns brodelt es.
    foto: palmers

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