Fast wie früher

6. Oktober 2003, 15:54
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Wenn es ums Fernsehen geht, sind zwei Personen oft eine zu viel ...

Wenn es ums Fernsehen geht, sind zwei Personen oft eine zu viel. Eine demokratische Mehrheitsentscheidung bezüglich der Programmwahl ist aus Pattgründen unmöglich. Und die Kunst des Nachgebens hat schon viel an Information verloren gehen lassen und bei manch Nachgiebigem ein bitteres Gefühl des Verlustes hinterlassen.

Langfristig ist das Problem nur mit der Anschaffung eines Zweitgeräts oder mit dem Münzwurf zu lösen. Bei kinderreichen Familien ist eine demokratische Mehrheitsentscheidung zwar leichter, aber auch hier empfiehlt sich wohl Ruhe fördernd ein TV-Masseneinkauf: In jedem Raum ein schönes Gerät, wir sehen uns eh im Urlaub, da könne wir plaudern. Die Investition lohnt - vermeidbar wird der Zappkrieg, und auch die Aversion gegen die Demokratie hält man so in Grenzen.

Am schwersten war mitunter jedoch die Diskussion mit sich selbst. Schwere Fälle von multipler TV-Persönlichkeit sollen zwei Geräte gleichzeitig in Arbeit gehabt haben. Mehr ging nicht, da man nur zwei Fernbedienungen gleichzeitig halten kann. Das luxuriöse Qual-der-Wahl-Problem ist indes vom Aussterben bedroht.

Wiederholungen geben nun das beruhigende Gefühl, nichts zu versäumen (siehe "Columbo"). Parallelprogrammierungen Marke ORF ("Bei uns läuft der Film auch, aber ohne Werbung!") oder das Aufspringen auf Formatmoden führen zu einer Senderverschmelzung, woraus sich das Gefühl ergibt, es gäbe an manchen Abenden ohnedies nur ein, zwei Programme. Wie früher. (tos/DER STANDARD, Printausgabe vom 18.8.2003)

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