Trauma Einbruch

20. August 2003, 11:41
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Materielle Schäden können Opfer von Einbrüchen meist verkraften, die Verletzung der Intimsphäre ist für viele ein großes Problem

Wien - "Mitgenommen haben sie nicht viel, nur den Discman, die Sonnenbrille und ein wenig Bargeld." Den materiellen Schaden kann Herbert locker verkraften. Aber dass fremde Leute in seiner Wohnung waren, so mir nichts, dir nichts in seine Intimsphäre eingebrochen sind, damit hat der 23-jährige Student aus Wien-Währing ein Problem. Nächtliche Geräusche, die vom Hausflur in die kleine Wohnung dringen, lösen bei Herbert immer wieder Panikattacken aus.

Traumatische Folgen bei Opfern von Einbruchsdiebstahl seien keine Seltenheit, sagt Marianne Gammer, die Geschäftsführerin der Opferhilfe-Organisation Weißer Ring. "Diese Verletzung der persönlichen Freiheit kann als äußerst brutal wahrgenommen werden", so Gammer im STANDARD-Gespräch. Zur Furcht kämen oft auch noch Schuldgefühle. Gammer: "Die klassische Umkehr von Opfer-und Täterrolle." Ohne psychologische Betreuung bestehe die Gefahr von posttraumatischen Langzeitstörungen.

Persönliches Hab und Gut ist vor allem jetzt in der Ferienzeit gefährdet. Einbrecher spionieren in der Regel aus, hinter welcher Tür urlaubsbedingte Menschenleere herrscht. Neben einfachen Maßnahmen, wie die Nachbarn zu bitten, Reklame vor der Eingangstür zu entfernen, wirkt alles präventiv, was Einbrechern Zeit kostet. Also (mehrere) Sicherheitsschlösser, einbruchshemmende Fenster oder eine erkennbare Alarmanlage. Die Wiener Landesinnung für Elektro- und Alarmanlagentechnikern warnt vor Billigprodukten. Zuverlässige Systeme für ein Einfamilienhaus seien ab 2000 Euro zu haben. Weitere 700 Euro kostet ein Telefonwählgerät mit Direktverbindung zur Polizei oder zu einem privaten Wachdienst.

Von Ansprüchen nach dem Verbrechensopfergesetz seien Opfer von Einbrüchen weitgehend ausgeschlossen, gibt Marianne Gammer zu bedenken. Der Weiße Ring bietet die Möglichkeit eines kostenlosen Erstgesprächs mit Therapeuten: Tel: (07114) 20 01 55. (DER STANDARD, Printausgabe, 18.8.2003)

von Michael Simoner

Pro Tag werden in Österreich 266 Einbrüche verübt. Materielle Schäden können Opfer meist verkraften. Die Verletzung der Intimsphäre durch den ungewollten Besuch ist aber für viele ein großes Problem, das sie ohne therapeutische Hilfe nicht bewältigen können.

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