Verhaftungsversuch von Mladic schlug fehl

18. August 2003, 18:23
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Italienische Spezialtruppen wollten bosnisch-serbischen General festnehmen

Die Bosnien-Schutztruppe Sfor ist beim Versuch, den bosnisch-serbischen General Ratko Mladic zu verhaften, gescheitert. Mladic wird vom UNO-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag wegen Völkermordes gesucht und hat das Massakers von Srebrenica im Juli 1995 zu verantworten. Die Sfor saß einer Fehlinformation auf. Bei der Operation handelte es sich um den ersten öffentlich bekannt gewordenen Versuch, Mladic festzunehmen.

Italienische Spezialeinheiten waren letzten Mittwoch in einem Vorort von Sarajewo in das Haus von Mladic' tags zuvor verstorbener Mutter Stana eingedrungen, weil die Sfor-Führung erfahren haben wollte, dass der frühere General der bosnisch-serbischen Republika Srpska zu deren Beerdigung angereist sei. Offensichtlich handelte es sich dabei jedoch um eine Verwechslung. "Mladic war nicht da, als die Operation stattfand", bestätigte Sfor-Sprecher Dale MacEachern dem STANDARD.

Der Wohnort von Mladic' Mutter liegt nur zwei Kilometer vom Sfor-Hauptquartier am Stadtrand von Sarajewo entfernt. Der misslungene Festnahmeversuch gab zu Spekulationen über die Entschlossenheit der Sfor Anlass, Mladic wirklich festnehmen zu wollen. In den letzten beiden Jahren scheiterten britische und deutsche Spezialeinheiten mindestens dreimal daran, den ebenfalls wegen Völkermordes angeklagten Expräsidenten der Republika Srpska, Radovan Karadzic, zu verhaften.

Srebrenica-Pakt

Gerüchte, Mladic habe 1995 mit dem französischen Präsidenten Jacques Chirac einen Pakt geschlossen, der die Übergabe der UN-Schutzzone Srebrenicas im Tausch für die Freilassung von Dutzenden als Geiseln gehaltenen UN-Blauhelmsoldaten vorsah, verstummten bis heute nicht.

Auch eine Serie von Anschlägen erschütterte in den letzten zwei Wochen die bosnische Hauptstadt. So explodierten bereits am ersten Augustwochenende Sprengsätze in zwei Discos und einem Nachtklub im serbisch dominierten Teil Sarajewos.

In lokalen Zeitungen werden die Anschläge auf Rivalitäten innerhalb der Mafia zurückgeführt. Auch der Sprecher der EU-Polizeimission, Jon Oskar Solnes, wollte gegenüber dem STANDARD nicht ausschließen, dass die Täter aus Mafia-Kreisen stammen. (DER STANDARD, 18.8.2003)

Markus Bickel aus Sarajewo
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