Slowakei: Dzurinda von Nationalisten ausgepfiffen

19. August 2003, 18:04
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Gedenkrede für umstrittenen Politiker, der als geistiger Vater des slowakischen Hitler-Vasallenstaats gilt

Preßburg - Auf eine Rede des slowakischen Premierministers Mikulas Dzurinda reagierten am Sonntag die Teilnehmer einer Gedenkfeier zu Ehren des umstrittenen national-katholischen Politikers Andrej Hlinka (1864 - 1938) mit Pfiffen. Die Feier fand in der nordslowakischen Stadt Rusomberok (Rosenberg) statt, wo Hlinka bis zu seinem Tod vor 65 Jahren tätig war. Dzurinda versuchte in seiner Rede darzulegen, dass der Name Hlinkas durch seine Nachfolger missbraucht worden war, es gebe in Hlinkas Tätigkeit Momente, die auch heute noch aktuell sind. Hlinkas Name wird oft nur mit der Slowakischen Republik 1939 - 1945 in Verbindung gebracht, die als Vasallenstaat von Hitler-Deutschland existierte.

Das Gedenken an Hlinka wird seit 1990 von extrem nationalistischen Gruppen zur Demonstration ihrer Stärke genützt. So war es auch diesmal. Man sah unter den Teilnehmer nicht nur führende Politiker der nationalistischen Slowakischen Nationalpartei (SNS), sondern auch Grüppchen, deren Uniformen an die bewaffneten Einheiten des Slowakischen Vasallenstaats im Zweiten Weltkrieg erinnerten (Hlinkas Garde).

Hlinka hatte 1913 in Zilina (Sillein) die Slowakische Volkspartei gegründet, die seit 1925 seinen Namen trug (HSLS). Seine Politik war eine Mischung aus anti-tschechisch zugespitztem slowakischen Nationalismus, Separatismus sowie erzkatholischem Klerikalismus.

Vor dem Zerfall der österreichisch-ungarischen Monarchie setzte sich der Pfarrer in Rosenberg intensiv für die Rechte seiner Volksgruppe im damaligen Oberungarn (die heutige Slowakei) ein. Wegen seiner politischen Tätigkeit verbrachte er zwei Jahre im Gefängnis. Nach der Gründung der Tschechoslowakei im Jahr 1918 tat sich Hlinka als Befürworter einer slowakischen Autonomie hervor, wandte sich aber gegen die Zerschlagung der Tschechoslowakei.

Sein Nachfolger an der Spitze der Slowakischen Volkspartei, der Pfarrer Jozef Tiso, arrangierte sich allerdings mit den Nationalsozialisten. Nach der Besetzung des tschechischen Landesteils durch Deutschland rief Tiso im März 1939 auf Druck von Adolf Hitler einen unabhängigen slowakischen Staat aus. Bis 1945 wurden unter dem faschistischen Regime von Tiso mehr als 70.000 slowakische Juden in Konzentrationslager deportiert und ermordet. (APA)

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    Mikulas Dzurinda

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