Bagdad: Anschlag auf zentrale Wasserleitung

18. August 2003, 17:48
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Hauptverkehrsader überflutet - Neue Müllabfuhr soll Müllbergen in der Hauptstadt ein Ende bereiten

Bagdad - Auf eine der wichtigsten Wasserleitungen in Bagdad ist am Sonntagmorgen ein Anschlag verübt worden. Augenzeugen berichteten von einer schweren Explosion um 06.45 Uhr im Stadtteil Aadhimiya im Norden Bagdads. Mehr als 100.000 Einwohner sind damit seit Stunden ohne Wasser.

Die ausfließenden Wassermassen überfluteten eine wichtige Unterführung auf einer der Hauptverkehrsstraßen und legten eine Hauptverkehrsader lahm. Nach Augenzeugenberichten bildete sich ein großer See, in dem Kinder wegen der Hitze schwimmen.

Wasser- und Energieversorgung eingeschränkt

Die Explosion verschärft die schwierige Wasser- und Energieversorgung in der fünf Millionen Einwohner zählenden Hauptstadt weiter. Auch in anderen Stadtvierteln und selbst im Zentrum hatte es bei Sommertemperaturen um 50 Grad Celsius an manchen Tagen gar kein Wasser gegeben.

Auch am Sonntag schlugen immer noch Flammen aus der wichtigen Öl-Pipeline in die Türkei, die erst am Mittwoch wieder in Betrieb genommen worden war. Das Feuer sei allerdings unter Kontrolle, teilte die US-Armee mit. Auf die Pipeline war am Freitag ein Anschlag verübt worden. Nach Angaben des US-Zivilverwalters im Irak, Paul Bremer, kostet die Schließung der Pipeline täglich sieben Millionen Dollar (6,21 Mill. Euro).

Zentrale Müllabfuhr

Anschläge auf Pipelines sowie Strom- und Wasserleitungen haben wiederholt die Bemühungen behindert, die beschädigte Infrastruktur des Landes wieder funktionstüchtig zu machen. Die USA machen Anhänger des gestürzten Präsidenten Saddam Hussein und ausländische Extremistengruppen für die Anschläge verantwortlich. Seit Verkündung des Endes der Hauptkampfhandlungen im Irak durch US-Präsident George W. Bush sind 60 US-Soldaten getötet worden.

Vier Monate nach dem Sturz von Diktator Saddam Hussein hat die US-Zivilverwaltung in der Hauptstadt Bagdad eine zentrale Müllabfuhr eingerichtet. Mehr als 1400 Müllautos würden jetzt täglich zwei oder drei Mal ihre Tour durch alle Stadtviertel machen, um die wöchentlich anfallenden 22.000 Tonnen Abfall der fünf Millionen Einwohner einzusammeln, teilte die Zivilverwaltung am Sonntag in Bagdad mit. Zu Zeiten des gestürzten Staatschefs sei nur in den besseren Stadtteilen der Müll abgeholt worden. Selbst dort hätten Einwohner die Mitarbeiter der Müllabfuhr mit Bakschisch bestechen müssen.

Nach den Worten des stellvertretenden Bürgermeisters von Bagdad, Fariz Abdul Razaq el Aasam, wird die Lebensqualität der Bürger Bagdads dramatisch verbessert. Früher habe sich der Müll für Wochen auf den Gehsteigen gestapelt und sei in einigen Vierteln nie abgeholt worden.

Probleme mit der Müllabfuhr

Einwohner Bagdads berichten, dass es bis 1996 - vor Beginn des UN- Programmes "Öl für Nahrungsmittel" - sehr große Probleme mit der Müllabfuhr gegeben habe. Nach dem Kauf von neuen Müllwagen sei die Situation in vielen Stadtteilen dann besser geworden. In den übervölkerten Armenvierteln habe die übliche zweimalige Müllentsorgung in der Woche jedoch weiterhin nicht ausgereicht.

Nach Sturz Saddam Husseins ist an den Müllbergen bis jetzt deutlich der Unterschied zwischen guten und schlechten Wohnvierteln zu sehen gewesen. Einwohner begründen dies mit den Plünderungen nach dem Fall Bagdads am 9. April. Während in guten Viertel wie Mansur alle Fahrzeuge noch vorhanden gewesen seien, hätten Plünderungen in den vor allem von Schiiten bewohnten Armenvierteln die Fahrzeugflotte zerstört. (APA/dpa/Reuters)

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    Kinder baden in der überfluteten Unterführung

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