Ausgebuht: Der blutige Woyzeck

17. August 2003, 22:42
3 Postings

Einem Teil des Publikums gefiel gar nicht, dass Regisseur Michael Thalheimer Büchners Helden zum Massenmörder umfunktionierte

Salzburg - Nur knappe 75 Minuten dauerte am Samstag Abend die Premiere von Georg Büchners "Woyzeck" bei den Salzburger Festspielen, und doch lagen am Ende sechs Leichen auf der Bühne des Landestheaters - fünf mehr als sonst üblich. Regisseur Michael Thalheimer hatte ganze Arbeit geleistet. Ein Teil des Publikums goutierte derlei blutige Radikalität nicht und buhte den Regisseur heftig aus.

Mann der Tat

Thalheimer streicht ganze Teile der sonst üblichen Spielfassungen des nie vollendeten Stückes und macht aus Woyzeck (Peter Moltzen) keinen geknechteten, geduckten Wirrkopf, sondern einen aufrechten Mann der Tat. In einem türen- und fensterlosen metallischen Raum (Olaf Altmann) wird er dabei auch gleich zum Täter. Hauptmann und Doktor schneidet er die Kehle durch, Andres erwürgt er, Käthe bricht er das Genick und Marie (Fritzi Haberlandt) kommt im Gerangel mit ihm ums Leben. Nur der Tambourmajor legt da lieber (als ganzer Mann) selbst Hand an sich.

So mancher vermeinte da im falschen Stück zu sitzen - wie etwa ein Zwischenrufer der sein Geld zurück forderte. Den Schauspielern nahm man indes nichts übel. Sie wurden mit Applaus bedacht. (APA)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Peter Moltzen als Woyzeck und Fritzi Haberlandt als Marie bei der Premiere des Büchnerschen Dramas.

Share if you care.