"Vorsorgeuntersuchung antiquiert"

19. August 2003, 18:39
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Staatssekretär Waneck wünscht Reform - Kritiker warnen vor zu technikgläubigem Zugang zur Medizin

Wien - Die derzeitige Form der Vorsorgeuntersuchungen sei "antiquiert" und werde zu wenig in Anspruch genommen, kritisiert Gesundheitsstaatssekretär Reinhart Waneck (FP). Er fordere daher eine grundlegende Neuzusammenstellung des Spektrums der Untersuchungen, da das jetzige nicht mehr dem Stand der modernen Medizin entspreche, so Waneck. Er will dazu Gespräche mit dem Hauptverband und der Ärztekammer führen.

Zwar hat sich die Zahl der Vorsorgeuntersuchungen zwischen 1990 und 2002 verdoppelt, das entspricht aber nur etwas mehr als einem Zehntel (13,6 Prozent) jener, die gehen könnten. Das sei zu wenig, meint Waneck. Auch dem Ost-West-Gefälle will er gegensteuern. In Vorarlberg gehen laut Hauptverband 28,3 Prozent zur Gratis-Gesundenuntersuchung, in Tirol 26,7 Prozent, in Wien sind es indes nur zehn Prozent, in Niederösterreich gar nur 6,1 Prozent.

Fortschritt

Waneck will den medizinisch-technischen Fortschritt bei der Reform berücksichtigt wissen. Unbedingt in das Vorsorgeprogramm aufzunehmen seien Krebs-, Haut- und Lungenuntersuchungen für Raucher. Mit einem EDV-unterstützten "Recall- System" könnten die Patienten an anstehende Untersuchungen erinnert werden. "Es muss ja nicht jedes Jahr jede Untersuchung durchgeführt werden", nannte Waneck z.B. die Darmvorsorge, bei der ein Fünf-Jahres-Rhythmus ausreiche.

"In den meisten europäischen Ländern beneidet man uns um die kompakte Gesundenuntersuchung", weist der Wiener Arzt und Universitätslektor für Allgemeinmedizin, Hans-Joachim Fuchs, Wanecks Kritik an vermeintlich veralteten Untersuchungen in heimischen Arztpraxen zurück. "Es ist ein Irrglaube, zu meinen, dass durch technische Untersuchungen die ,normale' ärztliche Untersuchung und das ausführliche Patientengespräch überflüssig würden", kritisiert Fuchs. Er ist ein deklarierter Befürworter einer "patientenorientierten Medizin" und warnt vor einem allzu technikgläubigen Zugang zur Medizin:

"Der humane Faktor ist wirklich notwendig", nennt Fuchs die Mammografie als Beispiel: Der Vorteil dieser Früherkennungsmethode für Brustkrebs werde "nur evident in Kombination mit der Selbstuntersuchung der Brust durch die Frau selbst". (nim/DER STANDARD, Printausgabe, 18.8.2003)

Kommentar
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    Reinhart Waneck hält Vorsorge für antiquiert

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