"Humbug unter Niveau, lieber K.-H."

19. August 2003, 19:38
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Minister Grasser will die völlige Liberalisierung ... und blitzt prompt bei allen vier Parteien ab

Wien - Kritik ausgelöst hat Finanzminister Karl-Heinz Grassers Vorstoß in einem Interview mit der Kronen Zeitung, in dem er sich die "komplette Liberalisierung" der Geschäftszeiten im heimischen Handel wünscht - inklusive einer Sonntagsöffnung. Vor allem aus der FPÖ, also vonseiten Grassers ehemaligen Parteifreunden, hagelte es harsche Worte: "Eigentlich ist dieser Humbug unter deinem Niveau, lieber K.-H.", formulierte etwa der freiheitliche Vizepräsident der Salzburger Wirtschaftskammer, Helmut Haigermoser, am Sonntag.

"Ans Christkind"

Weniger väterlich hingegen FP-Vizeparteiobmann Max Walch: "Diesen Wunsch kann er meinetwegen ans Christkind richten, aber auch das wird nur konsterniert den Kopf schütteln." Besonders empört Walch die Forderung nach Sonntagsöffnung: "Ich versichere, dass die FPÖ es nicht zulassen wird, dass der Sonntag ein normaler Arbeitstag wird". Der Chef des Ringes freiheitlicher Wirtschaftstreibender (RFW), Max Hoffmann, legte noch nach: So werde "aktive Sterbehilfe für kleine Handelsbetriebe" betrieben. Und, schließlich, für Jörg Haider ist "der Sonntag in Kärnten heilig".

Der an sich ressortzuständige Minister Martin Bartenstein (VP) schwieg am Sonntag. ÖVP-General Reinhold Lopatka sagte, dass an der Sonntagsruhe nicht gerüttelt werde. Für SPÖ-Bundesgeschäftsführer Norbert Darabos sind die Aussagen "üble Ablenkung" von Grassers eigenen "Problemfällen". (red, szem/DER STANDARD Print-Ausgabe, 18.8.2003)

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    Grasser will die Komplett-Liberalisierung. Antwort: "Diesen Wunsch kann er meinetwegen ans Christkind richten."

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