Untersuchungsausschuss angekündigt

17. August 2003, 14:52
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USA und Kanada rätseln um Schuldfrage - Kritik an veraltetem Stromnetz - Ermittler konzentrieren sich auf die Großen Seen

New York/Washington - Während die Stromversorgung New Yorks am Freitagabend wieder praktisch lückenlos funktionierte, waren zugleich viele Menschen im Nordosten der USA und Südkanada weiter ohne Strom. Sie mussten sich auf ein Wochenende ohne Licht, teilweise ohne Telefon und ohne Klimaanlage einstellen.

Vor allem Teile Kanadas wurden in der Nacht zu Samstag nach Medienberichten immer wieder von weiteren Blackouts heimgesucht. In Toronto normalisierte sich die Situation; einige Gebiete der Großstadt waren jedoch weiter ohne Strom. Im US-Bundesstaat Michigan waren noch 600 000 Menschen ohne Strom. Vereinzelt sollte die Energie erst am Sonntag wieder zurückkehren.

Die Ursache für den Stromausfall war auch am Samstag noch unklar, ein "Neun-Sekunden-Ereignis" bei den Großen Seen gilt als wahrscheinlichster Auslöser. Die USA und Kanada wiesen sich gegenseitig die Schuld für den Stromausfall zu. Ein terroristischer Hintergrund wurde ausgeschlossen.

US-Präsident George W. Bush kündigte nach einem Gespräch mit dem kanadischen Premierminister Jean Chretien eine binationale Untersuchungskommission über die Hintergründe des gigantischen Blackouts an, von dem zeitweise über 50 Millionen Menschen betroffen waren. Die Task Force unter Führung von US-Energieminister Spencer Abraham und dem kanadischen Minister für natürliche Ressourcen, Herb Dhaliwal, solle ähnliche Ereignisse künftig verhindern, teilte das Weiße Haus in einer Erklärung mit. Auch der Energieausschuss des Repräsentantenhauses kündigte eine spezielle Anhörung zum Blackout im September an.

"Das war ein Weckruf"

Einig waren sich Experten und Politiker in ihrer mehr oder minder drastischen Kritik am veralteten Energienetz in den USA. "Wir sind eine bedeutende Supermacht mit einem Stromnetz der Dritten Welt", sagte der demokratische Gouverneur und Ex-Energieminister Bill Richardson (New Mexico). Auch US-Präsident Bush wertete den Blackout als Zeichen dafür, dass das Versorgungsnetz modernisiert werden müsse. "Das war ein Weckruf", sagte er.

Wie dessen Mitglied Paul Gilbert mitteilte, hatte der Nationale Forschungsrat der USA seit Jahren wiederholt auf die Fehleranfälligkeit der US-Stromversorgung hingewiesen und eine umgehende Behebung der Probleme gefordert. Passiert sei aber nichts. Auch der New Yorker Gouverneur George E. Pataki forderte Aufklärung. "Ich möchte wissen: Warum ist das passiert? Und warum wurden die Schritte, die unternommen werden sollten, damit dies nicht mehr passieren kann, nicht unternommen?"

Konzentration auf die Großen Seen

Bei der Suche nach der Ursache für den massiven Stromausfall im Nordosten der USA und Teilen Kanadas konzentrierten sich die Ermittler am Freitag auf ein Stromnetz an den Großen Seen an der Grenze zwischen den USA und Kanada. Dieses System, das den Erie-See umkreist, leitet Elektrizität von New York nach Detroit, nach Kanada und dann zurück in die Region New York. Es hat in der Vergangenheit wiederholt Probleme bereitet, wie Michehl Gent vom North American Electric Reliability Council, eines Beobachter-Fachrats für die Energieversorgung, mitteilte.

Gent sprach von einem "Neun-Sekunden-Ereignis" irgendwo an einer Stelle des Netzes, das den teilweise noch am Freitag andauernden Blackout ausgelöst haben könnte. Der Experte fügte zugleich hinzu, dass vorläufige Erkenntnisse über die Ursache möglicherweise erst in der nächsten Woche vorlägen und detailliertere Untersuchungen Monate dauern könnten. (APA/Reuters/dpa/AP)

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