Beim Stahl zählt nur Kohle - Von Michael Bachner

21. August 2003, 19:13
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Bei der Voest-Privatisierung bleiben Kleinaktionäre wieder auf der Strecke

Finanzminister Karl-Heinz Grasser sowie Oberösterreichs Landeshauptmann Josef Pühringer haben die Voestler, die Opposition sowie den an seinem eigenen Vermögen eventuell interessierten Steuerzahler ganz schön verschaukelt. Nach dem Auffliegen der Geheimverhandlungen zwischen der Staatsholding ÖIAG und Magna über die Voest waren die Beruhigungspillen schnell verabreicht: Die Voest bekomme viele kleine "ungefährliche" Finanzinvestoren, ein strategischer Investor wie der Magna-Konzern, der nur an den Filetstücken des Stahlkonzerns Interesse hat, komme nicht infrage.

Ein paar Wochen und zusätzlich ein paar Nachhilfestunden in Brüssel später, und die Welt schaut wieder etwas anders aus: EU-Recht verbietet klarerweise die Diskriminierung von strategischen Investoren. Die ÖIAG hat daher die Zulässigkeit ganz anderer Bedingungen, wie Behaltefristen oder die Größe einzelner Aktientranchen, in Brüssel nachgefragt. Das Thema strategische oder Finanzinvestoren war längst Schnee von gestern.

Kleinaktionäre bleiben wieder auf der Strecke

Wie es nun aussieht, ist der Voest-Verkauf über die Börse an ausländische Fonds und Banken plus einer sündteuren Umtauschanleihe der Ausweg, den die ÖIAG sucht. Kleinaktionäre bleiben wieder auf der Strecke. Die vorher abgegebenen Versprechungen von Grasser & Co waren und sind heiße Luft.

Eine Garantie, dass befreundete Fonds von Magna oder ThyssenKrupp an der Börse zuschlagen und die Anteile flugs weiterreichen, gibt es natürlich nicht. Auch bei einer Anleihe kann sich die ÖIAG nicht aussuchen, wer sie zeichnet. Da es Grasser aber ohnehin nur um Geldbeschaffung und nicht um die strategische Ausrichtung des Stahlkonzerns geht, muss nach der Telekom-Anleihe und der VA Tech die nächste Verscherbelungsaktion unter Pannen & Pleiten 2003 verbucht werden. (Der Standard, Printausgabe, 16.08.2003)

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