Vier Ämter, dennoch keine Post

26. August 2003, 13:32
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Wiener kämpft seit eineinhalb Jahren erfolglos um seine Briefe

Wien - Herr Slaby hat ein Problem. Mit der Post. Er bekommt sie nämlich oft nicht, und das, obwohl vier Postämter für ihn zuständig sind. Seit 35 Jahren wohnt Anton Slaby im Stur-Hof, einem Gemeindebau im 2. Wiener Gemeindebezirk. Die Stiegen hat er zwar gewechselt, seit zehn Jahren hat er aber dieselbe Adresse, erzählt der Pensionist. Vor etwa eineinhalb Jahre fingen seine Probleme an.

"Manchmal kriege ich tagelang nichts, und dann ist plötzlich das Postfach randvoll. Es ist auch schon vorgekommen, dass Mahnungen vor den Rechnungen kommen, Pakete wurden mit dem Vermerk ,unbekannt verzogen' retourgeschickt", schildert Slaby, und schwankt dabei zwischen Verzweiflung und Empörung.

Vier Poststellen sind für ihn zuständig. Für seine Wohnadresse ist es das Postamt 1020. In den Hausbriefkasten will er allerdings keine Post, daher das Postfach. Beim Amt mit der Leitzahl 1022. Dort ist wiederum kein Platz für Pakete. Die werden von den Zustellern des Postamtes 1210 zur Wohnadresse getragen, ist niemand zu Hause, werden sie beim Amt 1024 hinterlegt.

"Wir wissen aber oft gar nicht, ob ein Paket da ist oder nicht", kritisiert Slaby. Die Benachrichtigungszettel tauchen wahlweise gar nicht, im Hausbriefkasten oder im Postfach auf. Und manchmal irrt eine Sendung auch herum. Zum Beweis legt er ein Stück Karton vor. Eine Sendung des Otto-Versandes aus dem vorigen August, adressiert an das Postfach in 1022. Auf dem Pappdeckel finden sich dann Spuren der Odyssee: 1022, 1200, 1103, 1022. Am Ende hätte Herr Slaby umgerechnet 63 Schilling Nachsendegebühr bezahlen sollen.

Bei der Post AG zeichnet man ein anderes Bild. Die Mitarbeiter beteuern auf Nachfrage, dass alles ordnungsgemäß laufe. Gerhard Popp, Leiter des Postfach-Postamtes 1022, reagiert besonders unwirsch. "Wir kennen die Problematik, der Herr bekommt seine Post", erklärt er bestimmt. Und findet es frech von Herrn Slaby, sich aufzuregen. "Normalerweise hätten wir das Fach schon fünfmal auflösen müssen, weil er nicht bezahlt hat", ist der Leiter überzeugt.

Was Herr Slaby wiederum nicht so sieht. "Wir haben ihnen gesagt, dass wir nicht zahlen, wenn die Zustellung nicht richtig funktioniert. Ich zahle ja keine 14 Euro im Monat, nur damit meine Sachen dann nicht kommen."

(Michael Möseneder/DER STANDARD, Printausgabe, 16./17.8.2003)

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