SPÖ in der Defensive

22. August 2003, 14:38
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SPÖ und Grüne begegnen einander neuerdings mit kleinen Gehässigkeiten und Sticheleien - Ein Kommentar von Michael Völker

SPÖ und Grüne begegnen einander neuerdings mit kleinen Gehässigkeiten und Sticheleien. Gemeinsam wollte man einen Keil in die Regierungskoalition treiben, jetzt ist man selbst am Streiten. Der Grund: Jörg Haider.

Es war Grünen-Chef Alexander Van der Bellen, der als Erster die Klinge gezückt hatte: Anstatt die Regierung zu geißeln, warf er einer völlig perplexen SPÖ vor, in den braunen Morast hinabgestiegen zu sein und ausgerechnet mit Jörg Haider, dem Gottseibeiuns der Roten, gemeinsame, unmoralische Sache zu machen. Tatsächlich ist der Eindruck fatal. Vor allem auch, weil die SPÖ nichts erreicht hat.

Was hat die SPÖ getan? Sie hat sich von Haider täuschen lassen. Mehrmals. "Stürzen wir gemeinsam die Regierung" hieß das Spiel. Alfred Gusenbauer hat dabei allerdings übersehen, dass nur Haider die Karten ausspielt. Und Gusenbauer hat verloren. Der Preis, den er jetzt zahlen muss: Anstatt die Regierung wild vor sich hertreiben zu können, befindet er sich selbst in der Defensive.

Die Grünen haben das Spiel die längste Zeit stillschweigend geduldet und erst im Nachhinein, als alles vorbei war, ihre Chance zur Positionierung wahrgenommen. Van der Bellen hat die Gelegenheit erkannt, sich nach dem politischen Tiefschlaf seiner Partei auch wieder einmal in die öffentliche Wahrnehmung zu katapultieren. Auf Kosten der SPÖ. Das ist zwar nicht die feine Art, aber immerhin konnten die Grünen Punkte sammeln. Die SPÖ ist sauer, zu Recht.

Und Jörg Haider? Der kann sich ins Fäustchen lachen. Wolfgang Schüssel kann sich ausnahmsweise mit ihm freuen. Auch darüber, dass gerade die Karten für ein neues Spiel gemischt werden: Die schwarz-grüne Option lebt.

(DER STANDARD, Printausgabe, 16./17.8.2003)

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