"Doppelspiel" im AUA-Konflikt

19. August 2003, 14:25
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Der Betriebsrat kritisiert den Vorstand der Austrian Airlines wegen Entlassungsdrohungen im Streikfall

Wien - Der AUA-Betriebsrat hat dem Vorstand der Austrian Airlines im aktuellen Konflikt um Pilotengehälter ein "Doppelspiel" vorgeworfen. Während Vorstandsmitglieder in einem offenen Brief an den Vorsitzenden der Fachgruppe Bord der Gewerkschaft Handel, Transport, Verkehr (HTV), Wolfgang Hable, ihre bedingte Verhandlungsbereitschaft erklärt hätten, sei gleichzeitig von Karin Peschl, Vice President Human Resources der AUA, eine E-Mail an alle Mitarbeiter von AUA-Bord ergangen, in der "unverhohlen mit der fristlosen Entlassung gedroht" wurde, sollte es zu weiteren Kampfmaßnahmen kommen.

Doppelspiel

Der dreiköpfige Vorstand der Luftlinie sei - so hieß es in dem Brief - bereit, "unser umfassendes in der Klausur präsentiertes Konzept weiter zu verhandeln". "Unabdingbare Voraussetzungen" seien ein Ende der Streiks "und Ihre Bereitschaft, in weiterer Folge in ernst gemeinte und konstruktive Gespräche einzutreten", heißt es im von Vagn Sörensen, Thomas Kleibl, Josef E. Burger und Walter Bock unterzeichneten Schreiben.

Hable dazu: "In der Öffentlichkeit zeigt sich der Vorstand von der Schokoladenseite, den Mitarbeitern gegenüber kommt die Peitsche zur Anwendung."

"Viel Aufklärungsbedürftiges"

Der offene Brief steht für Hable auch im Zusammenhang mit der angekündigten Überprüfung der Managergehälter im ÖIAG-Bereich. Die Rechnungshofkritik von Franz Fiedler dürfte auch beim AUA-Vorstand Nervosität ausgelöst haben, so Hable: "Da dürfte es vor allem auch um die Prämienzahlungen viel Aufklärungsbedürftiges geben."

Ebenfalls aufzuklären sei das "Desaster" um die Leasingverträge der drei Maschinen von Lauda Air Italy: "Rund 40 Millionen Euro durch eine stümperhaft abgeschlossene Vereinbarung in den Sand zu setzen und gleichzeitig 30 Millionen Euro beim Bord-Personal einsparen zu wollen stinkt nicht nur zum Himmel, sondern ruft nach dem Staatsanwalt".

Am Montag werden Hable und Sörensen telefonieren, um einen Termin für ein Vier-Augen-Gespräch zu vereinbaren. Dem ersten Warnstreik der AUA-Piloten am vergangenen Donnerstag sollen laut HTV-Planung weitere in dieser Woche folgen. (red/DER STANDARD Print-Ausgabe, 18.8.2003)

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