Moskau gibt grünes Licht für neuen Ölgiganten

19. August 2003, 19:32
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Aus der Fusion der russischen Ölfirmen Yukos und Sibneft entsteht die Nummer eins auf dem russischen Markt und die Nummer vier auf dem Welt-Ölmarkt

Moskau - Die russischen Behörden haben grünes Licht für den neuen Ölgiganten gegeben: Nach wochenlangen Querelen wurde die Fusion der russischen Ölfirmen Sibneft und Yukos zum größten Unternehmen des Landes genehmigt. YukosSibneft wird das viertgrößte private Ölunternehmen der Welt sein - und die Nummer eins auf dem russischen Öl- und Gasmarkt.

Nach Einschätzung von Analysten untermauert Russland mit der bisher größten Industriefusion des Landes seinen Anspruch, auf dem internationalen Ölmarkt mitzumischen. Der neue Ölriese wird täglich 2,3 Mio. Barrel Öl fördern und damit den bisherigen russischen Marktführer Lukoil mit rund 1,5 Mio. Barrel klar überholen.

Größten Reserven weltweit

Auf dem Weltmarkt positioniert sich YukosSibneft hinter BP, ExxonMobil und RoyalDutch/Shell und vor Konkurrenten wie ChevronTexaco und TotalFinaElf.

Die 18,4 Mio. Barrel Erdölvorkommen, über die der neue russische Gigant gesichert verfügt, sind die größten Reserven, die weltweit eine einzelne Firma hält.

Die Überprüfung der Fusion durch die Wettbewerbskontrolleure hatte sich über Wochen hingezogen. Noch am Mittwoch hatte es geheißen, es gebe offene Fragen. Der Zusammenschluss schien gefährdet, nachdem eine Reihe strafrechtlicher Untersuchungen gegen Yukos eingeleitet worden waren.

Einige Beobachter werteten dies aber auch als Anzeichen für Versuche des Kreml, die Macht eines der einflussreichsten Unternehmen des Landes zu brechen. Die Leitung des neuen Unternehmens YukosSibneft soll Yukos-Chef Michail Chodorkowski übernehmen, während sein Sibneft-Kollege Jewgeni Schwidler Aufsichtsratschef werden soll.

Chodorkowski reichster Mann Russlands

Dem Magazin Forbes zufolge war Chodorkowski im vergangenen Jahr mit einem Vermögen von rund acht Milliarden Dollar der reichste Mann Russlands. Russland ist nach Saudi-Arabien das zweitgrößte Ölförderland der Welt und gilt als Zukunftsmarkt. Das Land besitzt die größten Ölreserven außerhalb der Organisation Erdöl exportierender Länder (OPEC) und wurde in den vergangenen Jahren zunehmend zum Herausforderer der traditionellen Ölmächte am Persischen Golf.

Yukos liefert der österreichischen OMV nach einer am Mittwoch dieser Woche geschlossenen Vereinbarung ab 2006 zunächst jährlich zwei Mio. Tonnen Öl und später bis zu fünf Mio. Tonnen. Der OMV bringt das Yukos-Öl Vorteile auf der Logistik- und Kostenseite und sichert die Versorgung der Raffinerie Schwechat bei Wien ab. (AFP, Der Standard, Printausgabe, 16.08.2003)

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