Belgrad setzt die Fahnen auf Halbmast

18. August 2003, 09:40
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Staatstrauer wegen Mordes an zwei Jugendlichen im Kosovo - Holkeri empfangen

Ochrid - Der neue Missionschef der UNO im Kosovo, der ehemalige finnische Premier Harri Holkeri, wurde am Freitag in Belgrad mit Fahnen empfangen, die auf Halbmast gesetzt waren. In Serbien war Staatstrauer ausgerufen worden. Anlass: der Mord an zwei Jugendlichen im Kosovo.

Mittwochmittag badeten einige Dutzend serbische Kinder und Jugendliche im Fluss Sitnica nahe der Stadt Pec. Die Unmik-Polizei hatte ausdrücklich erklärt, die Sicherheit sei gewährleistet. Vom anderen Ufer wurde jedoch aus einer Kalaschnikow das Feuer eröffnet und mähte die Badenden nieder. Ein elfjähriger Bub und ein neunzehnjähriger junger Mann waren auf der Stelle tot. Sechs teils schwer verletzte Kinder wurden geborgen und in die Krankenhäuser gebracht.

Tausende Menschen protestierten gegen den Mord. Nicht nur in der Enklave Gracanica, sondern auch in anderen Städten wurde demonstriert. In der geteilten Stadt Kosovska Mitrovica zogen rund 3000 Serben durch die Straßen und forderten ein Ende der ethnischen Gewalt. Auch in der Stadt Zvecan nördlich der Provinzhauptstadt Pristina gab es Proteste.

Im Süden Serbiens an der Grenze zum Kosovo mehren sich bewaffnete Konflikte, eine Armeekaserne wurde mit Mörsergranaten beschossen, dazu bekannte sich die verbotene albanische Organisation "Albanische Nationalarmee". In der Nacht auf Donnerstag wurde eine Handgranate auf das Gebäude der Unmik-Polizei in Prizren im Kosovo geschleudert. Auch auf eine Patrouille wurde geschossen.

Holkeri äußerte in Belgrad sein Entsetzen. Die aus Albanern bestehende Regierung des Kosovo verurteilte die "Zwischenfälle". Holkeris Gesprächspartner in Belgrad, Außenminister Goran Svilanovic und der serbische Ministerpräsident Zoran Zivkovic, machten ihm jedoch klar, dass allein mit wortreichen Erklärungen dieser Eskalation nicht mehr beizukommen sei.

Auf die Bitte Belgrads wird sich der Sicherheitsrat in New York am nächsten Montag mit dem Problem beschäftigen. Die Resolution 1244 habe im Jahr 1999 die Sicherheit aller Bürger im Kosovo garantiert, aber seither seien fast 250.000 Serben aus der Provinz geflüchtet oder vertrieben worden, argumentiert Belgrad. (DER STANDARD, Printausgabe, 16./17.8.2003)

Von Andrej Ivanji
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