"Tomb Raider: Die Wiege des Lebens": Schnitzeljagd auf die Büchse der Pandora

23. Juli 2004, 10:27
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Neue Mission für Lara Croft

Neue Mission für Lara Croft: In "Tomb Raider: Die Wiege des Lebens" kämpft Angelina Jolie als hyperaktive Extremsportlerin in körperbetonten Overalls gegen einen zum Bösen mutierten Nobelpreisträger. In Überlänge und ohne auch nur halbwegs sinnvolle Dialoge.


Wien – Mit dem diesjährigen Blockbustersommer verhält es sich ein wenig so wie mit dem Wetter. Die Durststrecke reißt nicht ab. Nachdem The Matrix wieder hochgefahren wurde, Charlie's Angels jede Menge Spaß hatten und der Terminator in die Politik wechselte, tritt nun mit Tomb Raider: Die Wiege des Lebens auch die Computerspiel-Agentin Lara Croft (Angelina Jolie) ein weiteres Mal in Aktion.

Es gilt ein Abenteuer von globalen Ausmaßen zu bestehen: In der Antike nahm es seinen Anfang, nun erfährt es durch den Terrorismus neuerer Prägung eine Renaissance. Drehbuchautor Dean Georgaris hat sich einiges einfallen lassen, zu viel, um es hier zu wiederholen: Eine von Alexander dem Großen angefertigte Kugel, die sich als Landkarte im Universum-Format entpuppt, führt in Verbindung mit einem Amulett an die Wiege der Menschheit. Dort wartet die Büchse der Pandora als Gewinn, den der zum Großverbrecher gewandelte Nobelpreisträger Dr. Reiss (Ciarán Hinds) als Massenvernichtungswaffe vergrößern will.

Nun haben Action-Abenteuer wie Indiana Jones, an dessen Kombination von mythischen Versatzstücken und archäologischem Draufgängertum Tomb Raider 2 starke Anleihen nimmt, auch schon abstruse Storys erzählt. Regisseur Jan de Bont, der einmal rasante Actionfilme (Speed) gedreht hat, reiht hier jedoch bloß mechanisch exotische Schauplätze und (digital überarbeitete) Actioneinlagen aneinander, ohne dabei einen überzeugenden Rhythmus, geschweige denn Tempo zu entwickeln. Kein energetischer Themenpark-Ride wird geboten, sondern in Überlänge mit Schauwerten geprotzt.

Ob mit dem Motorrad, auf dem Jet-Ski oder an der Flosse eines Hais: Lara Croft wird vor allem als hyperaktive Extremsportlerin in körperbetonten Overalls inszeniert, die selbst in Übergangsszenen noch ihre Schlagfertigkeit unter Beweis zu stellen hat. Die ursprünglich künstliche Figur ist praktisch unverwundbar, ihre aus unterschiedlichen Kulturen ermittelte Schönheit purer Luxus für den (männlichen) Betrachter.

Der Feind ohne Waffe

In Tomb Raider 2 wird sie – mehr noch als in Teil eins – psychologisiert: So wählt sie etwa den Söldner Terry (Gerald Butler), ihren ehemaligen Geliebten, als Begleiter, obwohl dieser sie schon einmal hintergangen hat. Croft kann zwar jeden Feind überwältigen, aber von dem, der ihr ohne Waffen nahe kommt, vermag sie sich nicht zu lösen. Das Verhältnis sollte dem Film (und der Heldin) offenbar eine menschlichere Note verleihen – halbwegs sinnvolle Dialoge hat man dabei allerdings für entbehrlich befunden.

Die archäologische Schnitzeljagd läuft stets nach dem gleichen Schema ab. Croft kommt in der Fremde an, dort wartet stets ein vertrauenswürdiger Freund, dann kämpft sie ein wenig unter Zeitdruck und zieht weiter. Die Bösewichte sind dabei die üblichen multiethnischen Komparsen, unter anderem Til Schweiger als pflichtgetreuer Begleiter Dr. Reiss'. Letzterer ist ein Verbrecher neueren Typs: kein größenwahnsinniger Fantast, sondern ein ziemlich gerissener Geschäftsmann.

Weitere Bezüge zu jeder Form von Realität braucht man in diesem hermetischen Blockbuster nicht zu suchen. Er gehorcht einer puren Verwertungslogik, mit der neues Publikum erschlossen wird, indem ein erfolgreiches Computerspiel auf ein anderes Medium übertragen wird. (DER STANDARD, Printausgabe vom 16./17.8.2003)

Von
Dominik Kamalzadeh
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    Global Player Level zwei: Angelina Jolie als schießerprobte Archäologin Lara Croft. In "Tomb Raider 2" rettet sie die Menschheit just an deren Wiege vor dem Verderben.

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