Politik greift Red Bull unter die Flügel

19. August 2003, 19:32
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Investitionen von 300 Millionen Euro in Spielberg - Mindestens 30 Millionen Euro kommen vom Land

Wien - Unabhängig davon, ob der Formel-1-Zirkus von Bernie Ecclestone je wieder in der Steiermark gastieren wird, will Red-Bull-Chef Dietrich Mateschitz bereits am 1. Oktober den Startschuss zu seinem nächsten Riesenprojekt "Spielberg neu" geben. Mit Förderungen des Landes Steiermark von mindestens 30 Mio. Euro soll die komplette Neugestaltung des Rennareals bis spätestens Herbst 2005 unter Dach und Fach sein.

Insgesamt will Mateschitz mit seinen Finanzpartnern Magna, dem Eurofighter-Anbieter EADS, Audi sowie Shell oder Castrol (noch nicht fix, Anm.) zu gleichen Teilen bis zu 300 Millionen Euro investieren, bestätigte Red-Bull-Projektleiter Helmut Winkler. Geplant sind derzeit:

  • eine neue Rennstrecke, die künftig auch 24-Stunden-Rennen in Spielberg möglich machen soll;

  • eine Hotelanlage mit Thermalbad, Restaurants, Wellness und anderem mehr

  • oder ein Privatgymnasium mit Öffentlichkeitsrecht für bis zu 900 Schüler, wo eine Mischung aus theoretischer und praktischer Ausbildung in den Bereichen Renn- und Flugsport angeboten wird. Absolventen erhalten etwa den Privatpilotenschein.

Der Magna-Konzern Frank Stronachs, der betont, den Vertrag mit Red Bull noch nicht unterschrieben zu haben, ist beispielsweise daran interessiert, in Spielberg eine neue Teststrecke zu erhalten. EADS wiederum will dem Vernehmen nach einen Teil der Pilotenausbildung in die Steiermark transferieren (z.B. Simulatortraining).

Auch die Eurofighter sollen in Zeltweg stationiert werden, die Aufhebung der üblichen Flugverbote rund um ein militärisches Gelände soll sich Mateschitz bereits gesichert haben, sonst macht die Flugschule auch wenig Sinn.

Mit den Gegengeschäften der Abfangjäger-Beschaffung habe die EADS-Beteiligung am Spielberg-Projekt aber nichts zu tun, sagte Red-Bull-Sprecher Stefan Hundegger.

Neben den fünf Hauptpartnern von Mateschitz gibt es noch kleinere Subpartner wie den Motorradhersteller KTM, die sich nicht an der Betreibergesellschaft beteiligen werden, sondern sich vor allem inhaltlich und bei Einzelevents einbringen sollen.

Paierl zeigt sich positiv

Der steirische VP-Finanzlandesrat Herbert Paierl steht dem Projekt erwartungsgemäß positiv gegenüber. Zwar gebe es noch keinen gültigen Landtagsbeschluss. Paierl erwartet allerdings "keinen Widerstand" gegen die recht üppige öffentliche Förderung, die zwar nicht im Budget vorhanden ist, aber über Sonderfinanzierungen aufgestellt werden soll. Paierl: "Daran soll das Projekt nicht scheitern."

Als einer der wichtigsten "Verbindungsmänner" zwischen Red-Bull-Chef Mateschitz, Magna-Topmanager Siegfried Wolf und dem EADS-Konzern gilt übrigens Finanzminister Karl-Heinz Grasser. Seine genaue Rolle in dem Projekt liegt allerdings im Dunkeln. Magna-Sprecher Andreas Rudas hatte beim Bekanntwerden einer wegen der damals aufgeflogenen Voest-Geheimverhandlungen sehr umstrittenen Flugreise von Wolf und Grasser nach Monaco dem STANDARD nur erklärt, es sei immer hilfreich, Regierungsmitglieder bei solchen Gesprächen dabei zu haben. Das Monaco-Treffen mit Grasser, Wolf und EADS-Managern habe jedenfalls dem Spielberg-Projekt gegolten. (Michael Bachner, Der Standard, Printausgabe, 16.08.2003)

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