Warren Buffett: Finanzmuskel für Schwarzeneggers Wahlkampf

28. August 2003, 10:39
posten

Will die triste Finanzlage Kaliforniens sanieren

Die Gouverneurswahlen in Kalifornien waren schon bisher reich an Prominenz. Mit der Ankündigung, den Hollywoodstar und Republikaner Arnold Schwarzenegger unterstützen zu wollen, reiht sich ein weiterer prominenter Name in den Wahlkampfreigen: Der Großinvestor und Multimilliardär Warren Buffett will seinem langjährigen Freund Schwarzenegger als künftiger Wirtschaftsberater zur Seite stehen.

Dies kommt einer politischen Kehrtwendung des 73-Jährigen gleich. Buffett, der nach Bill Gates zweitreichste Mann der Welt, war bisher eher den Demokraten zugeneigt. So passt es da nicht ganz ins Bild, dass Buffett erst kürzlich die von Präsident George Bush angestrebte Steuerbefreiung von Dividenden als "Geschenk für Reiche" kritisiert hatte.

Buffett will Schwarzeneggers Bewerbung Glaubwürdigkeit verleihen. Der für seine Investmentkünste berühmt gewordene Finanzmogul hat sich wie kaum jemand in der Anlegerszene einen Ruf als langfristig denkender, vorausschauender Investor gemacht. Sein Name wurde sogar zum Synonym für eine Anlagemethode: "Buffettology" bedeutet in etwa, dass man nur Aktien von Firmen kaufen soll, deren Produkte man versteht und die man selbst gerne benutzt: Im Falle von Buffett Fastfood, Handelsketten, Versicherungen. Einen Bogen machte er um die Tech-Werte des Silicon Valley. Er lag mit seinen Entscheidungen, die von ganzen Heerscharen von Anlegern nachvollzogen werden, sehr oft richtig: Ein Sparer, der Buffett 1956 zehntausend Dollar anvertraut und alle Gewinne reinvestiert hätte, würde sich heute mit einem Vermögen von über 150 Millionen Dollar wiederfinden.

Dieses Händchen für Finanzielles hätte der Staat Kalifornien dringend nötig, droht ihm doch, als spekulativer Schuldner eingestuft zu werden, dessen Anleihen nur mehr "Junk Bond"-Status haben. Buffett soll gemeinsam mit anderen Wirtschaftsfachleuten einen Plan zur Bewältigung der Finanzkrise in Kalifornien aufstellen.

Geboren wurde Buffett in Omaha, Nebraska, und dort in der Provinz lebt er bis heute. Schon als Elfjähriger soll er seine ersten Aktien gekauft haben. 1956, mit 25 Jahren, gründete er seine erste Investmentfirma. 1965 stieg er bei Berkshire Hathaway ein, einer angeschlagenen Textilfirma, die er mit seinem Freund Charlie Munger in einen gigantischen Mischkonzern mit Schwerpunkt im Versicherungsgeschäft verwandelte. Buffetts Anteil daran ist inzwischen mehr als 35 Milliarden Dollar wert.

Noch immer lebt er in Omaha, getrennt von seiner Frau Susan, mit der er drei Kinder (Susan, Howard, Peter) hat. Seine - auch in Buchform veröffentlichten - Finanztipps werden als das "Orakel von Omaha" bezeichnet.

(Johanna Ruzicka/DER STANDARD, Printausgabe, 16./17.8.2003)

  • Bild nicht mehr verfügbar
Share if you care.